Foto: Dina Lucia Weiss
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1130

30.11.2014
»Moment, bleiben Sie stehen! Ihnen schaut da die Seele zum Körper heraus.«

(Robert Walser)

1129

29.11.2014
Es ist kurz vor vier. Ich winke Juri, hole meine Jacke an der Garderobe und sehe Siro auf einem der schäbigen Sofas neben dem Eingang sitzen, seine Augen sind halb geschlossen, flache Atmung. Ich richte ihn auf, streife ihm seine Jacke über und stütze ihn die Treppe zum Ausgang hinauf. Die überschminkte Frau legt ihren Kopf mitleidig zur Seite. Wie gern ich ihr auf den Fuss stehen würde, der aus dem Stöckelschuh quillt. Ich winke ein Taxi heran, schiebe Siro auf den Rücksitz, sein Kopf kippt auf meine Schulter. Der Taxifahrer hält vor seiner Wohnung und fragt mich, ob ich Hilfe brauche. Nein, keine Sorge. Die Wohnung riecht abgestanden. Siro entschuldigt sich und legt sich auf sein Bett. In der Küche spüle ich ein Glas und fülle es mit kaltem Wasser. Ausser einem Kühlschrank steht nichts in der Küche. Darin kleine Säckchen mit abgefülltem Pulver. Ich fragte mich, wie er hier über die Runden kommen soll. Ich setze mich neben ihn ins Bett, kauere mich an der Wand zusammen, ziehe meinen Pulli über die angezogenen Knie. Ich bin nicht müde, will ein Bild malen und gleichzeitig die Wohnung in Ordnung bringen. Siros Gesichtsausdruck ist müder als der eines Kindes, wie er so neben mir liegt. Mein Blick kreist über die gelbliche Tapete, an einzelnen Stellen löst sie sich bereits. Es wird hell, ich habe kein Auge zugemacht, dusche kalt, wecke Siro auf, nehme meine Tasche, küsse ihn auf die Wange und bitte ihn, heute was Richtiges zu essen. Die Decke bis unter die Augen gezogen, lächelt er mich an: „Du bist ein Engel, Paula“. Ob er wohl den blauen Engel auf dem grossen Bild von Chagall meint, der über einem Schiff voller tanzender, seltsam aussehender Menschen schwebte und Laute spielte?

1128

28.11.2014
Juri nimmt zwei Bier aus seinem Rucksack und spickt die Deckel mit dem Feuerzeug weg. Nach drei Schlucken blickt er aufs Wasser und seufzt, er wisse nicht, was er machen solle, er finde alles albern, wie er lebe, arbeite, sei. »Du bist ängstlich. Du bist so krampfhaft angestrengt, dass dich nichts und niemand einschränkt. Und doch hängst du an deinem Fahrrad und deinen Schallplatten, wie andere an ihren Kindern«, sage ich. Über dem Wasser schwirren Mücken.
Juri ist der pragmatische Typ, der, der die kritischen Fragen stellt, wenn es um die Probleme anderer geht. Und doch kann er selbst nur mit dicker Bettdecke schlafen, auch im Sommer. Wenn ein Zeh unter der Decke rausschaut, wacht er auf und muss niesen.
Ich muss an Jan denken, mit den unheholfenen Hände in den Hosentaschen. Er fehlt mir plötzlich. Juri sieht mich von der Seite an und wird wohl die Grimassen sehen, Grimassen, die man macht, wenn man in Tränen ausbricht und es zu unterdrücken versucht. Er kneift mich in die Seite und weiss doch, dass ich nicht kitzlig bin, nicht einmal an den Fusssohlen.

1127

27.11.2014 (Bild: Türkische Gurken, Berlin-Neukölln)
Das Auto hält in einer Seitenstrasse. Wir betreten ein türkisches Restaurant, Onur begrüsst die rauchenden Männer in ärmellosen Shirts mit Handschlag. Wir gehen nach hinten in einen abgeschlossenen Raum. Am Tisch wird aufgeregt durcheinander geredet, als ich mich setze. Dickbäuchige Weingläser werden gefüllt. Onur kann nicht zur Ruhe kommen, bis das Essen auf dem Tisch steht und das Licht gedimmt ist. Auf den rosa Plastikblumen liegt eine feine Staubschicht. Ich bin die einzige Frau in der Runde, werde mit Namen begrüsst, Onur hat mich angekündigt. Kerem steht auf, umarmt mich, sagt, ich sehe schön aus, sehr blass, aber ich hätte eine edle Aura. Durch den Pulli spüre ich  seinen trainierten Bauch, heute trägt er keine Weste. Ich lächle verspannt. »Eine Frau wie du kann doch jedes Glück finden, das sie sucht!« Kerem kommt in Fahrt, will seinen Satz zurücknehmen, wie er ihn ausgesprochen hat. Er fährt weiter: »Sie ziehen Kinder gross, machen Wochenendausflüge, gehen ins Theater und kaufen im Supermarkt ein, diese Schweine.« Ich sage, dass ich nicht darüber sprechen möchte, Kerem schenkt mir Wein ein, bei ihm und Onur sei ich sicher.
Ich sitze zwischen Onur und Kerem, ich müsse essen, ich sei dünn, höre ich von beiden Seiten. Aus Anstand drehe ich einen Lammspiess zwischen meinen Fingern, spüle die kleinen Bissen mit Wein hinunter. Auf die Platten kommen immer wieder frische Speisen. Onur sieht mich an, streicht mir über den Kopf und erzählt, dass er manchmal aus dem Fenster blicke und Menschen sehe, die er eigentlich gar nicht sehen kann, weil sie schon lange nicht mehr leben. Aber ihre Gesichter könne er erkennen. Es ist wichtig, nicht aufzuhören, anderen Menschen zuzuhören, denke ich und lege meine Hand auf seinen Arm. »Ich bin ein Typ, den bringt man nicht so schnell wieder los« sagt Onur. Wir meinen es gut miteinander. Ich lege meine Arme auf die Schultern von Kerem und Onur und frage, was die anderen Männer am Tisch besprechen, in der mir unverständlichen Sprache. Er habe einen Plan, sagt Onur. Dazu brauche er die Hilfe seiner Freunde. Ich bin nicht sicher, ob ich das gut finde. Ein Blick in die Runde reicht aus, um mir vorzustellen wie fünf starke Männer losziehen, nicht wie früher beim Räuber und Gendarm Spiel. Ein grosser Plan, ein blutiger, wahrscheinlich.

1126

26.11.2014
Die Wut habe ich in Einmachgläsern im Keller verstaut.

1125

1124

24.11.2014 (Foto: Romeo & Julia, Schaubühne Berlin)
Es sind die Umstände, an denen wir gescheitert sind, sagt er zu ihr. Als hätte sie eine Frage gestellt, die diese Antwort verlangt. Hör doch auf zu heulen, es hat doch gerade erst angefangen, sagt sie zu ihm. Es ist ein Tanz der Unwahrscheinlichkeit mit der Unmöglichkeit auf dem Grat der Träumerei. Sie geht mit niemandem, sie geht mit sich. Durch die Passkontrolle. Morgen wird sie eine neue Telefonnummer haben.

1123

23.11.2014
»Könntest du bitte drauf verzichten, mir so nahe zu kommen, um zu erkennen, was für ein Mensch ich wirklich bin?« sage ich und ziehe meine Strumpfhose an. Er versteht nicht.
Es liegt nichts Beschämendes darin, alleine zu sein, denke ich, nehme meine Jacke und ziehe die Türe hinter mir ins Schloss. Auf der Strasse gegenüber streiten sich zwei Spatzen um ein Stück Brot. Wie ich die Strasse entlanggehe, bin ich froh, dass er nicht gefragt hat, ob man mal Kaffee trinken gehe, ob ich seine Nummer möchte oder unter welchem Pseudonym ich bei Facebook zu finden sei.

1122

22.11.2014 Von Ausstellung bis Omegabar
(Foto: Aus "16 Weihnachtsgrüsse" von Johanna Müller. Zauberhafte Frau. Beeindruckende Künstlerin: www.johannamueller.net)


Alpha und Omega. Das A und O. Das Erste und das Letzte. Anfang und Ende. Das A und O ist das Mindeste, das du von einer Sache wissen musst, um sie vollständig zu verstehen.
Schnitt
Fotoausstellung: Die Menschen drängen sich vor und an den Bildern vorbei. Vernissagenhektik liegt in der Luft, die Mehrheit ist betrunken. Wir sind alle Experten. »Konkret und doch abstrakt« sagt ein Mann zu einer Frau, die sichtlich beeindruckt ist und dies mit Bambi-Blick goutiert. Neben einem Bild mit dem Titel »Ohne Titel 1« küsst sich ein Paar.
Ben und Julia haben zwei Flaschen Rotwein geklaut. Wir reichen uns die 1L-Flaschen rum. Der Blick auf das Etikett reicht, um Kopfschmerzen zu kriegen. Wir trinken. Wir tanzen. Wir sehen schön aus. Wir benehmen uns daneben. Ben grinst mich an, ich sei soweit. Ich würde schielen und mich bald ausziehen.
Es ist wie beim Pizzalieferdienst: Anrufen. Bestellung aufgeben. Ort und Zeit angeben. Dass es eilt, man sei hungrig, betonen. 30 Minuten später ist es da, das Taxi. 24 Stunden Lieferdienst. Wir müssen wach sein. Wir müssen jetzt wach sein.
Schnitt
Omegabar: Das Taxi haben wir mit fünf Euro zu wenig und einem Lächeln bezahlt. Das Taxi, das uns in den Kiez fährt.
Wir sind wach. Punktgenau und zielgerichtet. Wir trinken Bier und Schnaps. Morgen gehen wir alle geschlossen demonstrieren gegen die Erhöhung der Mietzinse. Wir trinken Bier und Schnaps. Das Taxi kommt noch einmal, 80 Euro für zwei Gramm. Freudschaftspreis.
Julia fängt mich auf der Toilette ab, wir küssen uns. Da ist Überforderung und Hingabe gleichermassen. Ben hat alles mitgeschnitten, als wir uns an den Tisch setzen. Schillerblick seinerseits. Ich schütte Domapin aus, das für die nächsten drei Tage reichen sollte. Jetzt schütte ich alles aus, jetzt muss alles passieren. Ich bin wach. Wir verlassen die Bar. Die Morgensonne blendet. Wir kaufen Bier an der Ecke.
Schnitt
Wohnung: Wir sitzen in Bens Wohnzimmer. Reden über die grossen Themen. Wir sind alle Experten. Ich stehe plötzlich auf und lege mich in Bens Bett. Erwache von Kussgeräuschen. Ben krault meinen Kopf. Julia legt sich auf mich. Es geht schnell, wir atmen tief. Ben liegt auf dem Rücken und verschränkt die Arme unter dem Kopf. Schillerblick. Ich mache mir ein Gewissen. Ein fremder Körper ist ein unschuldiger. Wenn man einen Körper kennt, wird es komisch in all der erbärmlichen Alltäglichkeit.
Schnitt
Veganer Supermarkt: Bei Tag hat alles eine andere Bedeutung als bei Nacht. »Gibt es jemanden bei dir, Paula?«, fragt Julia. »Ja, jemand, der regelmässig die Flucht ergreift« sage ich. Ich schaue Julia lange an. Traumverloren, liebessuchend, weiterfragend, abschiednehmend. Ich denke an Hamlet, wie er zu Ophelia sagte »Ein schöner Gedanke, zwischen den Beinen eines Mädchens zu liegen.«
Schnitt
Bett: So überzeugt wie in dem Moment, wo man zu sich selbst sagt, nie wieder zu koksen, ist man selten.
Das A und O ist das Mindeste, dass du von einer Sache wissen musst, um sie vollständig zu verstehen.

1121

21.11.2014
Wir trinken mit Juris Freund einen Absacker. Die Nacht ist klar. Juri ist sich sicher, dass er den grossen Wagen am Himmel erkennt. Hand in Hand gehen wir durch die Strassen. Durch das Fenster eines Restaurants sehen wir eine Hochzeitsgesellschaft. Die Braut hat ihren Kopf auf die Schulter des Bräutigams gelegt. Hinter ihnen tanzen Gäste zur Musik einer Liveband. Wir bleiben kurz stehen, ich sage Juri, dass ich es schön finde, dass wir endlich Freunde sind. »Wollen wir das denn sein, Paula?« er lässt sich theatralisch auf eine Bank fallen und zieht mich auf seinen Schoss. Kurz bin ich hingerissen. Wir biegen in die nächste Strasse ein, gehen durch den Hof ins Hinterhaus und die knarrende Treppe zu Juris Wohnung hoch.
Im Bett lege ich mich mit dem Rücken an seinen Bauch, er legt seinen Arm um mich herum und hält meine Hand fest. Ich bin müde von der Reise und merke nicht, wie er mit seiner Hand unter mein Top fährt. »Juri!« Es klingt härter als beabsichtigt. Juri zieht die Hand zurück. »Schön, bist du bei mir, Paula« Juri schaut treuherzig, wenn man ihn anfährt.
Ich denke an Jan. Ich möchte ihm sagen, wie ich ihn liebe, wenn er lacht. Wenn sich sein Gesicht ganz weit öffnet. Diese Wärme in seinem Gesicht. Ohne voneinander zu wissen, wären wir vielleicht glücklicher.

1120

20.11.2014
Wir sitzen beim Asiaten. Ich erzähle Juri von Jan. Er verdreht die Augen und schaufelt die Frühlingsrollen in sich hinein, als hätte er für Tage nicht gegessen. »Wie oft haben wir schon über Jan gesprochen, Paula?« er bestellt ein frisches Bier, obwohl das erste noch zur Hälfte voll ist. »Er ist mir unsympatisch. Er ist ein narzistisches Arschloch und du fällst immer wieder auf seine angeblich grossen Gefühle rein.« Ich erzähle nicht, wie sich Jan um das dreckige Geschirr und den Müll gekümmert hat. »Paula, du kannst noch lange da stehen und schreien: Oh Augenblick, verweile doch, du bist so schön! Der schaut beim Sex nicht dich an, sondern in den Spiegel!«
Die Gäste an den anderen Tischen sind still geworden und hören Juri zu. Ich schäme mich für ihn. Er ist inzwischen angetrunken und hält beharrlich an seiner Meinung fest.
»Wie sind die Lehrer an der Schule, meinst du, ich verstehe mich mit denen?« versuche ich Juris hitziges Gemüt zu beruhigen. »Darum geht es jetzt nicht. Darüber sprechen wir morgen, ich will wissen, was du an diesem Jan findest, Paula!«
»Jetzt bin ich hier bei dir, Juri. Lass uns in eine Bar gehen.«
Auf dem Weg zu Juris Stammkneipe bin ich still. Ich dachte, Juri hätte es nicht nötig sich so aufzuführen. Er ist klug, zart, schön, oft befangen. Wenn er trinkt, gefallen mir unsere Unterhaltungen nicht.
Wir setzen uns an den Tresen, der Barkeeper ein Freund von Juri stellt uns einen Gin Tonic hin. Er kann auch nicht von der Musik leben, lieblos spült er Gläser. Juri streicht mir über den Rücken und sagt reumütig, dass ich mich erst einmal in der Stadt und der Schule einleben soll, bevor ich meine Energie an die Wohnungssuche verschwende. Ich bin erleichtert. »Du darfst selbstverständlich auch in meinem Bett schlafen« grinst er mich an. Ich fahre Juri durch sein struppiges Haar, bemerke die angegrauten Schläfen und küsse ihn auf die Stirn. Wie ich ihn ansehe, werde ich wehmütig beim Gedanken daran, dass ich einmal sehr verliebt in ihn war. Als ich Juri nach Ellas dreissigstem Geburtstag in der Hofeinfahrt küsste, lachte er und sagte, als wir Forever sangen auf der Party, meinte er das Lied und nicht das Leben.
Dann war es Juri, der sich verliebte. Vielleicht ging es dabei um eine Sache zwischen Männern und weniger um mich, dass Juri sich offenbarte, nachdem ich wieder einmal von Jan schwärmte.
Plötzlich zog er aus der Stadt weg. Es hätte nichts mit mir zu tun. Sein Unterton verriet mir das Gegenteil. Wir hielten die Wunde über Wochen am Bluten. Schrieben uns, wie wir uns gegenseitig fehlen. Nachts riefen wir uns an, waren sicher, dass wir zusammengehören. Morgens waren wir ernüchtert, versuchten uns unbeholfen vor uns selbst zu schützen. Wir wünschten uns beide, dass nahtlos etwas Neues begann.
Juri ging auf die Avancen einer Kollegin an der Schule ein, liess sich zum Ersatzpapa in ihren Alltag als alleinerziehende Mutter einspannen, ich traf mich mit verschiedenen Männern, die ich im Internet kennen lernte, rauchte bis tief in die Nacht hinein. Es ging zu Ende. Erschreckend still.

1119

19.11.2014
Während ich darüber nachdenke, wie ich die nächsten Monate als Deutschlehrerin unterrichten werde in der Schule, an der Juri als Musiklehrer arbeitet, sehe ich Bilder von Jan vor mir. Wie er seine Schuhe zubindet, wie ihm die Münzen runterfallen, wenn er betrunken zu zahlen versucht, seine grossen Augen und der warme Blick, wenn er lacht. Es sind keine Bilder der grossen Momente, sondern Kleinigkeiten. Nicht der Herbstabend, als wir über den Zaun in ein Freibad kletterten, auf dem Sprungturm einen Joint rauchten und anschliessend im leeren Schwimmbecken miteinander schliefen. Auch nicht die Woche in Frankreich, als Jan in Marseille einen allergischen Schock von den Meeresfrüchten bekam, so dass wir die ganze Nacht in einem Krankenhaus verbrachten und ich mich in den Arzt mit charmantem Akzent verliebte, während Jan mit aufgeschwollenem Gesicht im Bett lag.

Schräg gegenüber sitzen zwei schwäbische Paare. Es wird Toastbrot mit Wurstaufschnitt gegessen. Die eine Frau stellt sich vor. »Das ist der Rainer« sagt sie und streicht ihrem Mann über die Wange »Und ich bin die Helga.« Eigenartige Menschen, die vor ihre Namen einen Artikel setzen.
Helga erzählt, dass sie zur Hochzeit ihrer Tochter fahren, sie hätte nun endlich einen Mann gefunden, es habe schon niemand mehr daran geglaubt. Die Männer, offensichtlich kommen sie aus der gleichen Provinz Süddeutschlands, debattieren wie zwei untersetzte Politiker über neu gebaute Kreisel, die man nicht brauche und Landstrassen, die eine öde Autobahnfahrt angenehmer machen, aber das würden nur wenige Menschen wissen.
Ein aknegeplagter Junge in Trainerhosen steht plötzlich auf und macht die heiter schnatternden Rentner höflich darauf aufmerksam, dass dies ein Ruheabteil sei. Die Frauen kichern wie Schulmädchen, die beim Naschen erwischt werden.
Ich lehne mich zurück. Vor dem Fenster karge Landschaft. Kurz denke ich noch einmal an Jan, ob ich mich vielleicht ungesund auf einen Menschen fixieren könnte.
Wenn Jan will, kann er sich gut und richtig anfühlen. Er ist der Einzige den ich kenne, der so viele Auftritte und Abgänge in meinem Leben inszeniert.

1118

18.11.2014
Mein Zug fährt in einer Stunde. Ich bitte Jan seine Schuhe anzuziehen, während ich die Zähne putze. »Ich warte auf Dich Paula, wir können zusammen zum Bahnhof fahren.«
Juri ruft an und fragt nach meiner Ankunftszeit. Jan schaut mich kritisch an, er denkt vielleicht, dass es Ella ist, jemand vertrautes, weil meine Stimme zwei Oktaven höher ist. »Ich freue mich und küsse Dich in meinem Kopf, bis gleich Juri!« Jan steht ungeduldig mit dem Müllbeutel im Flur.
Ich wässere die Kakteen im Wohnzimmer, kontrolliere ob der Herd aus ist, nehme meinen Koffer und ziehe die Türe hinter uns ins Schloss.
Wir reden nicht in der Tram zum Bahnhof. »Wirst Du mit diesem Juri schlafen, Paula?« fragt Jan als wir vor der Anzeigetafel in der Bahnhofshalle stehe. Ich suche mein Ticket in meiner Handtasche, umarme Jan zum Abschied. »Du bist keine Beziehungsruine grundsätzlich. Aber ich muss jetzt alleine nachdenken.« Je näher wir uns kommen, umso dringender muss ich mich meiner Eigenständigkeit vergewissern. »Ob das je zu etwas Gutem geführt hätte Paula.« Ich drehe mich noch einmal um bevor ich in den Zug steige, er schaut mir nach, die Hände unbeholfen in den Hosentaschen.

1117

17.11.2014
Ich erwache vor Jan, setze Kaffee auf und gehe ins Bad. Er wird das Plätschern durch den Flur hören, aufstehen, zum Bad kommen und die Tür einen Spalt öffnen. Er wird durch das Milchglas der Duschkabine meinen Körper sehen, den in den Nacken gelegeten Kopf, mein nasses Haar. Er wird sich überlegen, zu mir unter die Dusche zu kommen und dann doch die Tür wieder zuziehen, sich mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette an den Tisch setzen.
In ein Handtuch eingewickelt komme ich in die Küche. Jan kümmert sich um das dreckige Geschirr von gestern Abend, schnürt den Müllbeutel zu und stellt ihn neben die Wohnungstür. Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich beeindruckt bin, wie er sich um meinen Haushalt kümmert.
Wir sitzen am Küchentisch, trinken Kaffee und rauchen. Schweigen. Ein Zeichen für geglückte Nähe. »Wusstest Du, dass sich Regenwürmer nicht bewegen, wenn sie sich paaren, sie verschmelzen zu einem einzigen Wurm« sage ich in die Stille hinein. Jan lacht. Ich gehe in mein Zimmer.
»Paula, bin ich eine Beziehungsruine für Dich?« Jan steht angelehnt in den Türrahmen und sieht mir dabei zu, wie ich mit wenigen Handgriffen die letzten Sachen in den Koffer lege. »Was hat das mit Regenwürmern zu tun?« lache ich, nehme einige Bücher aus dem Koffer, die ich nicht brauchen werde. Dabei fällt ein Foto von Juri und mir auf den Boden, das ich als Buchzeichen brauche. Jan ist schneller als ich, hält es in der Hand und fragt wer er sei, der mich am Hals küsse und in die Kamera lache. Verliebt würden wir aussehen. Ich geniesse den Augenblick seiner Eifersucht.
»Mein bester Freund Juri« antworte ich beiläufig. »Bester« ist relativ. Aber Jan kann sich denken, dass Juri nicht mein Geliebter ist. »Seid ihr da ein Paar gewesen?« er sagt oft das, was mir in den Sinn kommen würde, als Reaktion auf meine Bemerkungen. Ich lache und nehme ihm das Foto aus der Hand, lege es auf den Nachttisch und schliesse meinen Koffer.

1116

16.11.2014
Kurz vor sieben wache ich auf, ich habe es nie geschafft gute Vorhänge zu kaufen. Ich schleiche aus dem Bett, schliesse die Schlafzimmertür hinter mir.
Auf dem Balkon rauche ich Kette. Es überkommt mich das Gefühl, dass wir nicht mehr ewig Zeit haben für alles. Vielleicht sollte etwas benannt und entschieden werden. Ich bin unruhig. Es wird nicht mehr lange dauern, bis Jan einer Frau begegnet, die ihm ein geordnetes Leben bieten kann, für das er sich mit Anfang dreissig entscheiden wird. Gestern in der Bar sagte er beiläufig, dass für ihn ohne Kinder kein zwingender Grund zur Monogamie bestehe. Plötzlich sehe ich ihn vor mir, einen Kinderwagen schiebend mit stolz herausgedrückter Vaterbrust, neben ihm eine dünne, flachbrüstige Frau.
Ich bemerke nicht, wie Jan mit einer Tasse Kaffee auf den Balkon kommt. Er streicht mir das Haar aus dem Gesicht und fragt, ob ich gerade ein Gespenst gesehen hätte, so wie ich mich erschrecke. »Jan, was ist da zwischen uns?« Jan überlegt lange »Zwei Tassen Kaffee, Paula.« Ich lache und weine gleichzeitig. Wir hätten uns fast gesagt, wie viel wir uns bedeuten.

1115

15.11.2014
Ich schaue in erweiterte Pupillen und erzähle vom plötzlichen Wetterumbruch draussen. Erstaunt reisst die unbekannte Asiatin ihre schwarzen Augen auf, als würde sie nicht gut sehen, und fragt mich nach Tag und Uhrzeit.
»Sonntag, später Nachmittag.«
Sie umarmt mich und sagt, ich sei schön.
Ich bin nüchtern und bestelle Wodka an der Bar. Der Barkeeper fragt, ob ich mir das Rückgeld selber nehmen kann, da er schon zu viel gezogen habe. Er umarmt mich und sagt, ich sei schön.
Ich stehe an der Wand, ein Bein lässig angewinkelt. Dem Typen neben mir fällt sein iPhone auf den Boden. Er ärgert sich, dass die sorgfältig vorbereiteten weissen Linien darauf verloren sind. Ich überlege kurz, ihn zu umarmen und zu sagen, er sei schön.
Die Musik ist hart und elektronisch, ich spüre den Bass im Magen. Vor mir tanzen junge Frauen. Mädchentattoos zieren ihre Streichholzarme. Sternchen hier, Herzchen da. Für jeden Lebensabschnitt ein Motiv aus dem Katalog. Zurück an der Bar treffe ich das selbsternannte  Stadtoriginal.
»Ey, Paula, was machst du hier? Ich war gerade in New York. Great city, ja, unheimlich nice people. Relaxed, genau, das ist das Wort. Aber hör mal, ich muss weiter, viele Freunde sind hier, du weisst ja, wie das ist. Totaler Sozialstress, wenn man zurückkommt.«
»Wird dir nicht schwindelig, wenn sich immer alles um dich dreht?« frage ich und lächle. Er macht ein Gesicht, als hätte er auf eine Zitrone gebissen. Nein, ehrlich gesagt weiss ich nicht, wie das ist, dieser Sozialstress, weil ich keinen der Feierfreudigen in dieser runtergekommenen Industriehalle zu meinen Freunden zähle.
Ich  trinke und tanze, werfe mein Haar in den Nacken und fühle mich leicht dabei. Etwas in mir sehnt sich nach echten Begegnungen. Nicht nach Gesprächen, in denen wir uns gegenseitig mit unseren Leben langweilen, weil wir das Gefühl haben, dass immer was Besonderes dran sei, am eigenen Leben und dabei in Filmzitaten sprechen und denken, dem Gegenüber falle es nicht auf.

1114

14.11.2014 (Stadtpark, Berlin-Lichtenberg)
Ich sagte, dass es keinen Sinn mache. Du sagtest, es soll auch keinen Sinn machen, es soll sich gut anfühlen. Es fühlte sich gut an. Ich blieb noch etwas neben dir sitzen. Was wir den ganzen Abend geredet haben passte auf einen Bierdeckel.
Es lag etwas Geheimnisvolles in dir, das mir jedes Mal das Herz zusammenzog. Deine Zweifel machten dich unerreichbar. Früh schon sagtest du mir, mit dir gäbe es keine Garantie für die IKEA-Perspektive. Das habe ich überhört.

1113

13.11.2014
Ich lege mich auf das Bett. Bin wie weggeblasen, ausgetauscht, unruhig und aufgelöst. Schlafe für Tage nicht, gehe Entenfüttern, sitze Nächte in der Küche und starre in die leere Nacht. In dieser Stille komme ich mir fremd vor. Leblos und verschollen.
In meinen Träumen kommen Hyänen, die mich in Stücke reissen und den Kadaver unter sich verteilen.

1112

12.11.2014 (Schillerkiez, Berlin-Neukölln)
Zu Ihrer eigenen Sicherheit: Heute bitte auf keine Vernissage gehen!

1111

11.11.2014 Heiligabend
Tochter: Er küsst wie ein griechischer Halbgott!
Mutter: Ich dachte er sei Türke?
Tochter: Er sieht aus wie Antonio Banderas nur etwas kleiner und ist wunderbar cholerisch.
Mutter: Banderas ist aber ein spanischer Name!
Vater: Ein Schauspieler ist das!
Mutter: Du wirst einen Schauspieler heiraten?
Tochter: Es wird ein grosses Fest geben, mit Tauben und ich werde eine lange Schleppe tragen.
Vater: Antonio Banderas aus Istanbul kann sich das leisten?
Tochter: Er stammt aus Antalya und hat eine Pistole.
Mutter: Du heiratest einen Mafiosi?
Tochter: Ja, ist das nicht aufregend?

1110

10.11.2014 Freitagabend. U8.
Mir gegenüber sitzen aufgeregte Frauen. Pink aufgedruckt steht über ihren Brüsten: Lisas Hennenrennen. Unter den Brüsten: Bald renne ich nur noch für meinen Hahn Ben.
Es wird wild durcheinandergeredet, sich gegenseitig ins Wort gefallen, gekichert, die Haare hinter die Ohren gestrichen.
Ich schreibe Jan: Heute Abend Konzert oder tanzen gehen?
Am Kottbusser Tor steigt Lisa ein. Die Frauen kreischen, übersäen sie mit Küssen, es werden kleine Fläschchen Vodka-Pflaume ausgepackt. Lisa schwankt bereits. In der Hand eine leere Rotkäppchen-Sekt Flasche.
Die fleischfarbenen Nylonstrumpfhosen zeichnen die Cellulite unter ihrem pinken Schlauchkleid ab. Ihr Haar versteckt sich unter einer Pulp-Fiction-Perücke. Darauf ein Krönchen.
Jan schreibt: Paula, ich geniesse die Affäre mit Frühstück. Aber es ist besser, wenn wir nicht zusammen auf Konzerte gehen. Sonst verschwimmen die Grenzen.
Die strassbeklebten Gelnägel der Frauen gegenüber blitzen auf. Ich beneide sie um ihre Einfachheit. Lisa geht mit einem Körbchen durch die U-Bahn, spitzt die Lippen zum Kussmund. Ein Küsschen von Lisa kostet zwei Euro. Mit sechs Euro steigt sie am Hermannplatz aus. Ich hole mir eine China-Box und nehme die übernächste U-Bahn zurück nach Hause.
Google sagt, eine Nagelmodellage koste 35 Euro. Hält vier Wochen, das anschliessende Auffüllen dann nur noch 10 Euro. Es gibt ein naives Glück, dass neidisch macht.

1109

9.11.2014 (The Hinterhof Side of Life, Berlin-Neukölln)
Frau W.: Was machst Du alleine in Neukölln?
Ich: Für mich sein und schreiben.
Frau W.: Ja das kenne ich. Bei mir gibt es auch Tage, an denen der Fernseher nicht läuft.

1108

8.11.2014
Vielleicht entsteht die Häfte aller Beziehungen aus der Enttäuschung über eine verlorene Liebe. Vielleicht ist meine Schwärmerei für dich nur eine Stimmungsschwankung. Vielleicht die Ersatzbefriedigung gegen die Erinnerung an den, den meine Seele liebt. Das wäre dann die Liebe. Gewesen.

1107

7.11.2014 (Get naked I got a plan. Nr. 6 auf der Platte: Blackout, 2007.)
Ella sagt, sie mache nicht mehr mit.
Wir trinken Vodka mit Vodka. In der Liebe reicht kein Schischi.
Ella sagt, das Prinzip sei immer das gleiche: Blickkontant aufbauen. Blickfickerei. Auffressen. Verdauen. Nachhause gehen.
Mir gefallen ihre Beine in der Strumpfhose.
Ella sagt, dass sie nie mehr verkatert aus einer fremden Wohnung in die viel zu helle Sonne treten wird.
Ich will über ihre Strumpfhose unter ihren Rock fahren und mit meinen Fingernägeln eine Laufmasche provozieren.
Ella sagt, dass heute niemand mehr bereit sei, sich hinzugeben, sich in einem Gefühl aufzulösen. Niemand hätte mehr den Mut, an etwas zu zerbrechen.
Ich fahre ihr durch das strähnige Haar.
Ella sagt, sie sei alleine. So alleine, dass sie schreien könnte.
Ich lege meine Hand auf ihre Lippen.
Ella schweigt.
Ich küsse sie.
Ella sagt, sie werde nie in einer Beziehung enden, wo man gemeinsam einkaufen gehe, den Tricolor-Paprika-Mix neben den Rotwein in den Korb lege.
Ich fülle uns die Gläser auf.
Ella sagt, sie werde nie in einer Beziehung enden, in der man sich gegenseitig füttert. Sie sei gegen diese Scheisssymbiose.
Ich küsse sie.
Ich fahre unter ihren Rock.
Ich gebe mich hin.
Ich löse mich auf.
Ich werde zerbrechen.
Da ist kein Bart.
Da sind vier Brüste.
Zarte Haut, die nach Niveacreme riecht.
Ich weck sie nicht, bis sie sich regt und verkatert in die viel zu helle Sonne tritt.

1106

6.11.2014 (Hallesches Ufer, Berlin. Ohne Filter.)
Es gibt wenige Menschen, die den Schmerz eines anderen neben dem eigenen anerkennen.

1105

5.11.2014 Die Würde des Menschen ist unantastbar. Error.
Selbstverständlich greift er mir zwischen die Beine. Kurz gebe ich mich selbstverständlich hin, bevor ich ihn von mir wegstosse. Er packt mein Handgelenk, drückt fest zu, tut mir weh dabei. Er atmet schwer, ich biege meine Wirbelsäule akrobatisch durch. Mein Kopf schlägt gegen die Wand. Wäre ich gläubig, würde ich beten.
Es geht um eine Bewegung, ein Wegschieben, seinen Mund, seine Hände, seinen Körper. Ich zerre mir eine Melodie in den Kopf, ein Kinderlied. Ich bewege mich nicht mehr. Als ich wieder zu mir komme, bin ich alleine.
Jetzt sagt bitte niemand, schuld sei die Gesellschaft, die Kindheit, die Umstände, das Internet, sonst passiert hier gleich etwas Schlimmes. Es ist mein Schmerz, der nur mir gehört. Niemand von euch möchte ihn haben.

1104

4.11.2014
Heute auf einen Marienkäfer getreten
Angetretenes Herz
Zertretenes Glück
Totes Tier

1103

3.11.2014 Paula beim Lifecoach (Thema der heutigen Sitzung: Treffen mit Stefan wird evaluiert)


Coach: Wie war dein Date mit Stefan gestern Abend?
Paula: Gut. Aber ich denke, wir treffen uns nicht wieder.
Coach: Warum?
Paula: Weil er mich heute anrief und fragte, ob ich ein Feedback von ihm möchte. Für ein nächstes Date mit einem anderen.
Coach: Interessant! Du bist für Stefan also nicht kompatibel, warum?
Paula: Naja, er sagte, dass "Mit Freunden was trinken gehen" kein Hobby sei. Und dass ich ein Alkoholproblem habe.
Coach: Was und wie viel hast du getrunken?
Paula: Eine Weissweinschorle und einen Gin Tonic.
Coach: Den Gin Tonic beim nächsten Mal weglassen. Beim ersten Treffen von 60 Minuten ist das zuviel.
Paula: Und dass meine abgekauten Fingernägel ein Zeichen für einen unverarbeiteten Konflikt seien. Er vermute eine gestörte Vater-Tochter-Beziehung. Drum sei ich auch beziehungsunfähig in seinen Augen.
Coach: Hm. Etwas voreilige Küchenpsychologie. Aber der Stefan hat auch nicht mehr viel Zeit, der ist schon 40, da muss es gleich passen. Wir müssen dein Suchprofil anpassen, zehn Jahre älter, ist zu viel. Habt ihr über sexuelle Vorlieben gesprochen?
Paula: Das macht man doch nicht beim ersten Date.
Coach: Paula, solche Dinge müssen zu Beginn geklärt werden. Wenn er gerne in den Swingerclub geht oder Orgien mag, dann muss er wissen, ob du da mitmachst. Wie gesagt, er ist 40.
Wie attraktiv ist Stefan auf einer Skala von 1-10?
Paula: 3.
Coach: Das kann nicht sein. Wir haben nur Partnervorschläge angeschaut, von grossen Männern, Bart, schöne Hände.
Paula: Aber der hatte keine inneren Werte, die ich attraktiv fand und das Innen strahlt ja nach aussen. Ausstrahlung ist attraktiv. 
Coach: Gut. Nun noch einige Fragen und Merksätze von mir:
1. Du musst klassifizierbar sein, vergleichbar.
2. Keine Exlusivität erwarten. Offene Beziehungsformen wählen.
3. Hast du Erfahrung mit Dreiern? Also mit zwei Männern? Einem Mann und einer Frau?
4. Selbstbefriedigung? Selbstbefriedigung!
5. Du bist ein Leistungssubjekt. Sex ist Leistung.
6. Nicht immer sagen, was du fühlst. Gefühle sind unklare Parameter.
7. Hattest du bereits eine Erfolgsdepression? Bist du darunter zusammengebrochen, wie stark dein Ego von allen Seiten bestätigt wurde?
8. Nutze verschiedene Social Media Kanäle, um Nähe herzustellen. Facebook reicht da nicht mehr.
9. Liebe ist Arbeit.
10. Du kannst das! Du kannst es schaffen, ihn zu finden.

1102

2.11.2014 (China Box, 2.50 Euro)
Es gibt keinen Grund Menschen zu verachten, die ein weniger hedonistisches Leben führen.

1101

1.11.2014  (Tempelhofer Feld, Berlin)


Ich erinnere mich, wir verhalten uns nicht zueinander.
Ich erinnere mich, wir sind nebeneinander anwesend.
Ich erinnere mich, dass ich von Luft und Bewunderung leben will.
Ich erinnere mich nicht, wo sich unsere Liebe abspielt.

Ich erinnere mich, dass ich die Vorläufigkeit akzeptiere.
Ich erinnere mich, dass ich die Zerbrechlichkeit akzeptiere.
Ich erinnere mich, dass ich den Begegnungen mit dir übermässige Bedeutung schenke.
Ich erinnere mich nicht, dass Irrtümer in Begegnungen dazu gehören.

Ich erinnere mich, wir hätten uns fast gesagt, wieviel wir uns bedeuten.
Ich erinnere mich, dass jede Geschichte willkürlich abgebrochen wird, an einem beliebigen Punkt.
Ich erinnere mich an die bleierne Trauer, die sich über alles legt.
Ich erinnere mich nicht, dass ich sie einem anderen erzählen werde. Die Geschichte über dich.