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Fr

20

Apr

2018

0420

[18/04  18:53]

Susanne Schüssler (Geschäftsführerin Verlag Klaus Wagenbach) in einem Beitrag des Deutschlandfunk (13.04.2018) über die Zukunft des Buchs und der Buchbranche:

»Ich glaube, dass die Schulen eine der Hauptursachen sind für dieses Desaster, was wir haben, und ich sehe auch da ein großes Problem auf uns zukommen, was die zukünftige Entwicklung betrifft.«
(…)
»Ich finde es katastrophal, weil in diesen Parteiprogrammen, also, in dieser Kulturpolitik kommt die ganze Zeit vor, dass wir digitalisieren, digitalisieren und uns gut aufstellen müssen. Ich sehe nicht, dass bei den Kids irgendeiner nicht digital an erster Front ist, die sind alle super fit und schnell und können alles und wissen alles, wie sie es finden, und so weiter. (…) Wenn ich aber die Lesekompetenzen ansehe, und davon lese ich nirgends irgendetwas, dass wir die Lesekompetenzen ausbauen müssen.«

Liebe Frau Schüssler, ja die mögen ein Problem sein, die Schulen. Aber wissen Sie, was ein ebenso immanentes Problem des deutschen Literaturbetriebs ist? Unbezahlte Praktika. So eins habe auch ich im September 2016 unter der Schirmherrschaft von Oliver Lange im Vertrieb ihres Verlags absolvieren wollen. In insgesamt zwei dieser vier Wochen bin ich täglich – gekleidet in einen weißen, astronautenartigen Ganzkörperanzug – die Steintreppen hinunter in den Keller gestiegen, um das verlagseigene  Abteil von einem Wasserschaden zu befreien, der sich lange vor Beginn meines Praktikums ereignet hat. Sollten Sie bzw. der von Ihnen geführte Verlag bei der Anstellung eines Praktikanten/einer Praktikantin nicht auch die Verantwortung eines Bildungsauftrags tragen? Und macht es den Verlag Klaus Wagenbach nicht zu einer der Hauptursachen des gegenwärtigen Desasters? Eine ausübende Gewalt des gegenwärtigen »Desasters« ist Wagenbach in jedem Fall, weil Sie, liebe Frau Schüssler, die ach so schlimmen Strukturen des ach so leidenden Literaturbetriebs einfach blind weiterreichen, anstatt sie einzudämmen, oder es zumindest zu versuchen. In diesem Fall an mich. Doch ich weiß, dass ich mit meinen Erfahrungen nicht allein bin. Und wieso erwähnen Sie  betreffend der Schuldfrage des sogenannten »Desasters« des Buchmarkts eigentlich ausschließlich andere Akteure des Kultur- & Literaturbetriebs, anstatt eine Selbstreflexion zuzulassen? Weil der Verlag Klaus Wagenbach ein »linker« Verlag ist und es reicht, das »Renommee« des Verlags, das – und da bin ich mir sicher –  nicht viel mehr ist als seine Position im kulturellen Feld des Literaturbetriebs, zu nutzen, um aus genau dieser Position – die im Übrigen schon eher prätentiös bzw. eine PR-Falschverortung ist – einige altkluge Phrasen zu dreschen?
»Katastrophal«, finden Sie nicht?
 
Und weiter:

»Wenn die potenziellen Leser zu einer Veranstaltung gehen, dann sind sie in dem Moment schon keine Leser mehr, weil sie das Gefühl haben, sie waren ja bei der Veranstaltung, und sie wissen jetzt schon, worum es geht. […] Ich glaube nicht, dass es dem Lesen hilft, sondern dass es das Lesen eher einschränkt.«

→ LOL

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Kli|'schee <n. 15> Druckstock, Druckplatte für Hochdruck, Ätzung; Abklatsch; <fig.> abgegriffenes, schon zu oft gebrauchtes Wort; in ~s sprechen <fig.> [ frz. chliché]

 

aus: Gerhard Wahrig, "Das große Deutsche Wörterbuch"

C.Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1967