Foto: Dina Lucia Weiss
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Mutter war also gestorben. Ich wusste, dass es kommt und dennoch war es eine Überraschung.
In der Nacht träumte ich von vielen Menschen, einem ehemaligen Studienkollegen, der mehrmals das Wort "Fleischlaibchen" sagte und ich zerkugelte mich im Traum darüber, dann noch etwas mit aufblasbaren Palmen und Dingos, die über breite Steppen liefen. Ich wachte auf und war verwundert, zugleich amüsiert. Ich stieg aus dem Bett und machte Frühstück, irgendwas mit Eiern, das weiß ich noch. Vielleicht las ich Zeitung oder trank Kaffee im Stehen, weil ich es mir beim Arbeiten angewöhnt hatte. Vielleicht nichts davon. Ich weiß es nicht mehr. Es blieb still im Haus, lediglich die Spülmaschine rannte surrend im Hintergrund. Laura schlief, sie hatte von der Ärztin im Krankenhaus Medikamente zur Beruhigung bekommen.
Ich wünschte, sie wäre zu Hause gestorben. Ich wünschte weiter, dass es natürlich gewesen wäre. Ich stellte mir das so vor: Irgendwann gehe ich nach ihr schauen, in der Früh. Vor dem Rasieren, nach einer Eierspeise, ich weiß es nicht. Irgendwann gehe ich in Mutters Zimmer und finde sie. Finde sie nicht, um genau zu sein. Ihr Körper liegt im Bett, aber sie ist nicht mehr da. Ich sehe es sofort. Ihre Brust hebt sich nicht, der Winkel ihres Halses ist zu schlaff und ein paar ihrer Falten fangen an sich zu glätten, da sie den Mund nicht mehr angestrengt verziehen kann. Ich stehe in der Tür, die Hand noch immer auf der Klinke und ich denke, ja was denke ich eigentlich. Ich denke: Das ist der Moment. Was mache ich jetzt. Und dann entflieht mir ein Schluchzen, ein lautes, wie Schluckauf, kurz und laut. Ich lege die andere Hand über den Mund und sage: Mama? Doch keiner antwortet mir. Nur die Sonne scheint leise in den Raum und der Staub fällt auf sie. Am Ende hatte sie nicht nur uns und sich selbst vergessen, sondern auch das Leben.
So stellte ich mir das vor. Laura kam nicht vor, auch Vater nicht. Ich fand sie, nur ich allein.

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