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Der Blick aufs Meer III

Bei unserem Platz stritt die Frau, die immer neben uns lag, mit jemandem, wahrscheinlich ging es wieder um die Handtücher. Die Frau ließ ihr Handtuch immer unter dem Baum liegen, beschwerte es mit Steinen, damit es nicht vom Wind weggeweht werden konnten. Die Leute um uns herum mochten das nicht, hatte Lena mir erklärt, sie mochten die Frau deswegen nicht. Das war, weil sie den einen schönen Platz unter dem Baum für sich behielt. Mir war das unangenehm, auch weil uns die Leute so anschauten, so, schauts, das sind die Kinder von der. Deswegen räumten wir immer unsere Handtücher weg und schliefen manchmal woanders, damit die Leute sehen konnten, dass wir nicht zu ihr gehörten. Aber das war dann allen wieder egal, glaube ich, die wollten nur jemandem böse sein.
Schließlich sind wir irgendwann auf und sind zu einem der größeren Zelte, dort konnten wir manchmal bleiben, wenn wir früh genug kamen. Lena muss im hinteren Teil sein, weil sie schon größer ist und älter, ich musste vorne bleiben. Ich setzte mich auf einen freien Platz und überlegte, was die Eltern gerade machten. Vielleicht tranken sie noch einen Kaffee, um wach zu werden, und das ergab wie immer keinen Sinn, denn danach gingen sie spazieren, um wieder müde zu werden. Aber wahrscheinlich tranken sie keinen Kaffee, denn es gab keinen Kaffee mehr.
Lena hat einmal gesagt, dass daheim ein Krieg ist, auch die anderen Leute auf dem Boot hatten das gesagt. Eigentlich erzählten sie es sich gegenseitig, mit mir redete niemand, wahrscheinlich weil Lena ihnen das verboten hatte. Sie wollte nicht, dass ich diese Sachen wusste, aber ich wusste nicht warum. Dieser Krieg, von dem sie gesprochen hatten, den habe ich nie gesehen. Ich fragte mich, ob es ihn überhaupt gibt. Als die Eltern uns von daheim wegbrachten, brannte kein Gebäude und die Fenster waren noch ganz und niemand warf Steine und auch niemand trug eine Waffe und schon gar niemand schoss auf uns. Nichts davon habe ich gesehen. Und wie soll man sonst wissen, ob Krieg ist oder nicht? Ich hatte die Eltern fragen wollen und Lena auch, aber sie weinten alle und das Verabschieden war so kurz. Nachher tat es mir leid, dass ich Mama nur zweimal gedrückt hatte und Papa sogar nur einmal. Aber dann waren wir schon auf dem Boot und ich konnte nur noch winken und das nur kurz, weil Lena es nicht erlaubte. Vielleicht haben alle das mit dem Krieg falsch verstanden oder haben sich das nur ausgedacht, um mir Angst zu machen. Ich dachte an die Eltern und fühlte mich ganz klein. Hoffentlich konnten sie bald kommen, dann müssten Lena und ich auch nicht mehr neben der Frau schlafen. Beim Wasserholen könnten wir uns endlich abwechseln.

Vom Nachdenken konnte ich nicht gut schlafen. Ich wartete bis es dunkel wurde und ging dann leise nach hinten zu Lena. Sie lag in ihrem Bett und schaute an die Decke, wieder schaute sie so komisch, unglücklich fast. Ich legte mich zu ihr, mit den ganzen Anziehsachen, weil auch niemand was sagen konnte, mir war das egal. Lena reagierte gar nicht. Das wunderte mich, in letzter Zeit schimpfte sie auch öfter mit mir, fast wie die Eltern früher.
Ich legte mich in die Kuhle zwischen Lenas Arm und ihrer Schulter, da passte ich gut hinein. Lena hatte das einmal mein Astloch genannt. Ich lag gerne so, es war bequem und warm und ich war bei Lena.
Wir lagen also und nach ein paar Minuten schaute ich zu ihr hoch und sagte, Lena.
Ja, hat sie geantwortet.
Schläfst du schon?
Nein.
Wartest du auf mich mit dem Schlafen.
Da zog sie mich mit dem Arm näher an sich heran und sagte, ja. Ich warte immer auf dich.
Da hab ich gesagt, das ist gut, dann kann ich immer als erste schlafen.
Und Lena sagte, ja, das kannst du.

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