Foto: Dina Lucia Weiss
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Zu Gast im Mai

17-05 | Philipp Röding

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16-12 | Jürgen Bauer

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Zu Gast im Oktober

16-10 | Didi Drobna

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Zu Gast im September

16-09 | André Patten

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16-05 | Valentin Moritz

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16-03 | Elias Hirschl

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Zu Gast im Februar

16-02 | Markus Mittmansgruber

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Ich lernte bald, ihrer Krankheit nicht zu vertrauen. Ihre Krankheit war eine Hure. Eine verdammte Hure, die mit mir und Mutter und allen anderen spielte. Maskiert lächelte sie mir durch ihre Züge zu, um kurz darauf hysterisch lachend die Orientierung und Erinnerung aus ihrem Blick verschwinden zu lassen. Oder sie hinterlistig zu nah oder zu weit von Dingen entfernt stehen, gehen, niedersetzen zu lassen. Mysteriöse blaue Flecken und Abschürfungen. Mit der Krankheit fiel sie oft nach hinten. Wir lernten, dass der Instinkt sich mit den Armen und Händen im Fallen zu schützen besser nach vorne funktionierte, selten nach hinten. In wenigen Monaten prellte sie sich das Steißbein öfter als ich in meinem restlichen Leben. Wir schafften auch eine Verbrennung, sie griff nach der heißen Pfanne und konnte die Finger nicht wegbewegen, ihre linke Seite war nicht kooperativ. Sie schrie auf und Laura stieß sie geistreich zur Seite. Ja, es gab die guten und die schlechten Tage, aber es gab auch den Lichtschalter und den -dimmer. Plötzlich war sie da und kurz darauf nicht, hatte vergessen in welcher Reihenfolge sie sich anziehen sollte, betrachtete den BH und eine Strumpfhose, fragend. Oder einer Abteilung wurde der Strom abgedreht und sie ging unmittelbar vier-, fünf-, sechsmal auf die Toilette. Dr. Hase sagte, Geduld und Verständnis, niemals Vorwürfe oder Wut, auch keine Konfrontation. Es gab keinen pädagogischen Ansatz mit welchem die Parkinson-Demenz beeindruckt werden konnte. Diese Krankheit konnte nichts beeindrucken. Diese Krankheit war die Kirche, der Fluss und das Dorf zugleich. Sie überquerte, sie floss, sie machte verzweifelt.

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