Foto: Dina Lucia Weiss
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0331

Elias Hirschls kleines aber feines Manifest
für die aufgeschlossene, verwirrte junge KünstlerIn

1. Vollbringe künstlerische Handlungen.

2. Stelle deine künstlerischen Handlungen stets in Frage.
2. 1. Stelle sie auf jeder Ebene und in jedem Detail in Frage – jeden Aspekt der Entstehung und Existenz des Werkes, einschließlich seiner Entstehung und Existenz.
2. 2. Vergiss nicht auch das Alles-in-Frage-Stellen stets in Frage zu stellen.
2. 3. Stelle generell alles in Frage, was in Beziehung zu deinem Werk stehen kann, also jede neue Idee, jede mögliche Inspirationsquelle, und dieses Manifest insbesondere, sowie seine Aufforderung es in Frage zu stellen u.s.w.u.s.f.

3. Fehler werden nicht ausgemerzt, sondern in das Werk miteinbezogen. Sie bilden den neuen Kernpunkt des Werks.
3. 1. Mach daher nicht zu viele Fehler, sonst wird die Sache kompliziert.
3. 2. Gleichsam den Fehlern werden auch unwichtige Kleinigkeiten und blöde Witze genauso ernst genommen wie alle anderen Aspekte des Werks. Je unwichtiger sie scheinen, desto ernster müssen sie genommen werden.

4. Vergiss zwischendurch nicht zu atmen und mach dir einen Kaffee.

5. Kommentiere dein Werk und lass die Kommentare Teil des Werks werden.
5. 1. Lass auch die (negativen) Kommentare anderer Menschen Teil deines Werks werden.
5 . 1. 1. Etwa indem du sie im Wortlaut zitierst und anschließend ausführlich erklärst, warum sie nicht Recht haben und ihre Integrität als Kunstkritiker ernsthaft in Frage stellst, indem du ihnen vorwirfst ein nichtsnütziges Arschloch, und somit wegen der fehlenden Gliedmaßen und Gehirnwindungen als Kunstkritiker ungeeignet zu sein, denn nichts anderes sind diese Ausgeburten der Kunsttheorie.
5. 1. 2. Und vergiss nicht, das in Frage zu stellen.

6. Ein Kunstwerk ist nie vollendet.
6. 1. Vor Verlegern, Kuratoren, Kritikern, etz. muss man es notgedrungenerweise einfach behaupten, sonst verdient man kein Geld, kann sich kein Essen leisten und stirbt.
6. 1. 1. Stell das in Frage!

7. Trink den Kaffee. Er wird sonst kalt.
7. 1. Stell das in Frage!

8. Vergiss zwischen all dem In-Frage-Stellen nicht an deinem Werk zu arbeiten.
8. 2. Stell das in Frage!

9. Wiederhole dich in deinem Werk nicht, sondern erschaffe mit jeder neuen künstlerischen Handlung eine Knospe der Innovation.

10. Egal was du tust, verfalle nicht dem süßlichen, falschen Charme der Metafiktion, indem du etwa Listentexte schreibst, in denen du mittels Metawitzen ausführlich auf die Tatsache eingehst, dass du eben jenen Listentext schreibst, den du gerade schreibst, und dir der Tatsache vollends bewusst bist, dass du von ebenjener Metafiktion Gebrauch machst, von der du gerade Gebrauch machst, denn solche metafiktionalen Bemerkungen machen den Text nicht besser, sondern zeigen dem Rezipienten nur umso mehr, was für ein erbärmliches, unkreatives Geschöpf du bist, weil du, anstatt dir etwas Neues auszudenken, dich nur immer weiter in dem vergräbst, was du bisher erschaffen hast, und dabei auf die Art und Weise vergeblich versuchst deine Ehre wiederherzustellen, indem du zeigst, dass du zumindest intelligent und reflektiert genug bist, um die Gründe deines eigenen Tuns zu erkennen, was die ganze Sache aber nur noch peinlicher macht, weil du offenbar trotz deiner Intelligenz und Reflexionsgabe nicht dazu fähig bist ebenjene zum Erkennen der eigentlichen Wahrheit zu nutzen – nämlich jener, dass du einfach mit dem Schreiben von derartigen Gedankenspiralen aufhören solltest, so lange es dir noch risikofrei möglich ist, und das Blatt Papier auf dem du gerade schreibst zur Schadensbegrenzung möglichst schnell verbrennen, und es eben nicht durch eine öffentliche Publikation für alle Zeiten konservieren solltest, da du damit der Welt und den wenigen Lesern deiner Bücher, die in ihr leben, deine Unfähigkeit als Künstler offenbarst, was wirklich sowas von Neunzehnhundertsechsundneunzig ist.
10. 1. Stell das in Frage!

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