Foto: Dina Lucia Weiss
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Die Reise


In der kleinen Stille eines Tales stieg eines Tages ein Mann mit offenem Schirm aus einem See. Kalt sah er sich um und trocknete. Die Ruhe versprach Lärm. Angesicht in Angesicht mit einem Baum wurde klar, dass entweder der Mann oder der Baum gehen musste. Da der Baum sich erstens wenig kooperativ zeigte und zweitens in der Überzahl war, zog der Mann mit seinem Schirm davon. Er stürmte die Einöden und befragte die Wolken (am Himmel) nach dem Wetter. Da es regnete, steckte er sein Gehirn zum Schutz vor Nässe in seinen Kopf. Die Himmelswolken taten es ihm gleich. Die Bodenwolken kümmerten sich nicht darum. Sie waren auf Erfahrungen aus.
Der Mann erfand Geld und war reich. Anschließend erkaufte er sich seine Freiheit. Er durfte alles, nur nicht laufen und springen. Deshalb lief er springend umher.
Als es aufhörte zu regnen, hängte er seine durch das ins Ohr eingedrungene Regenwasser nass gewordene Gehirnhaut zum Trocknen raus und desinfizierte sie mit Spucke, ehe er sie wieder hinter seine Stirn legte. Währenddessen sang er darüber wie schön er sein Leben fand.
Der Mann ging weiter und fand eine Armbanduhr, die ihn ob der Tageszeit mahnte, wie spät es schon war, woraufhin er sich schlafen legte.
Am nächsten Morgen duschte er im Sonnenlicht, das durch den tief hängenden Frühnebel in Bändern auf seinen Körper schien. Er dachte daran, wie er gestern darüber gesungen hatte, wie schön er sein Leben fand und wurde melancholisch, da er das Leben, das er gestern gehabt hatte heute immer noch schön fand und es nun weg war. Er weinte, wurde aber Dank seines Schirmes nicht nass. Dann zog er nach Norden, weil es ihm die Armbanduhr so befohlen hatte.
Aus dem Norden drangen farbige Lichtspiele und Obertonwellen in seinen Mund und bildeten einen Belag auf seinen Zähnen und seiner Zunge, was den Mann dazu veranlasste voller Hass seine Zahnbürste zu zerbrechen und sie tief in den Staub zu treten.
Die Lichtspiele hatten Namen, die der Mann nicht kannte.
An einer Weggabelung fand er einen großen Stein, auf dem in gemeißelten Buchstaben der Name einer Familie geschrieben stand. Er wusste nicht, ob es sich dabei um einen Wegweiser oder einen Grabstein handelte. Dann fiel ihm jedoch ein, dass ohnehin alle Grabsteine Wegweiser waren.
Der Norden kam näher und das Licht wurde heller. Je heller das Licht wurde, desto weniger konnte der Mann sehen. Nach einiger Zeit tastete er sich nur noch mit seinen Händen vorwärts, was ihm jedoch nicht gut gelang, da er auf seinen Füßen lief. Als er nach wenigen Schritten überhaupt nichts mehr sah, schloss er mit den Händen seine Augenlider.
Als es wieder anfing zu regnen, erinnerte er sich an seinen Schirm und spannte ihn auf.
Er kniete sich nieder und hoffte, in einer Mulde zu knien.
Er hatte Glück.
Das Wasser füllte die Mulde und der Mann ertrank.

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