Foto: Dina Lucia Weiss
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Scheel muss aufpassen, dass er heute nicht noch die Contenance verliert. Zunächst einmal diese theatralische Ansprache Keblatts, in der es im Subtext eigentlich nur mal wieder hieß, dass die Deutschen die ewigen Bösen sind, für immer Schuld tragen sollen, egal, wie lange es her ist, und zu gedenken haben, bis die Erde nicht mehr existiert – und wahrscheinlich sogar noch darüber hinaus! Er kann das alles nicht mehr hören. Immer dieses Duckmäuser-Gebaren! Und dann wird auch noch geglaubt, dass das alles richtig ist. So sehr, dass man früher oder später auch damit anfängt, diesen Gedenkwahn zu propagieren und denjenigen Schuldgefühle einzuimpfen, die sich das nicht gefallen lassen. Vorher aber wird natürlich noch schön beleidigt. Zeigt man den Leuten, die von Erbschuld sprechen, den Vogel, fangen sie ausnahmslos an, einen zu beschimpfen. Immer schön unter die Gürtellinie, und das gerade von denen, die doch angeblich so viel besser sind. Dieses versiffte Gutmensch- und Dummbürgergesindel! Kann man den Kindern so etwas beibringen? Beibringen, dass sie Schuld haben an etwas, das lange vor ihrer Geburt stattgefunden hat?

Und dann, wie sie, Keblatt, auch noch versucht, total betroffen zu beschreiben, was im Lager passiert ist. Das ist absolute Manipulation, nicht mehr und nicht weniger! Natürlich ist es schlimm, was damals passiert ist; aber irgendwann muss auch mal Schluss sein, mit dem Finger drauf zu zeigen.

Aber damit nicht genug; da verbietet sie den Kindern doch tatsächlich, im Lager zu rauchen. Angeblich, weil das respektlos gegenüber den Opfern wäre. Scheel stellt sich vor, Keblatt gegenüberzustehen: Kuckuck, wie soll man, bitteschön, jemandem gegenüber respektlos sein, der schon lange tot ist? Mein Gott, die sind alle unter der Erde bzw. verbrannt. Das ist doch einfach nur affig, sich so aufzuführen, als würden die das merken, wenn da irgendwer eine Zigarette raucht oder mal auf den Boden spuckt. Tauben werden schließlich auch nicht abgeknallt, wenn sie im Flug einen Schiss fliegen lassen, der auf den ach so heiligen Lagerboden landet, oder, noch schlimmer, aufs Dach des Eingangsgebäudes.

Was Scheel betrifft, so dürfen die Kinder ruhig in seiner Anwesenheit rauchen. Ja, er wird ihnen sogar Feuer geben! Einfach, um ein Zeichnen zu setzen! Widerstand zu leisten! Er nimmt das auch alles auf seine Kappe, sollte die Keblatt Zicken machen. Wie soeben, als sie Lucas gescholten hat, weil er, ach du meine Güte! auf den Boden gespuckt hat. Was hat die dem Bengel eine Szene gemacht, Scheel war nur noch nach Kotzen zumute, so angewidert, wie er von ihrem überzogenen Gutmenschengetue war. Das hätte die Keblatt mal mit Stefan machen sollen, dann hätte er die Frau gleich zur Seite genommen und so klein mit Hut gemacht. Überhaupt, wie sie mit Lucas geredet hat, durch und durch pseudointellekuell mit ihren ganzen Fremdwörtern. Was hat die nochmal gesagt? Rudi...irgendwas und dann Sputnik oder so ähnlich. Jedenfalls irgendwas, was kein normaler Mensch versteht oder sagt. Das ist aber typisch für die ach so überlegenen Akademiker, für die verkommene Elite: dieses Wortgewichse, diese Arroganz. Die halten sich allesamt für die Schlausten und Tollsten, weil sie studiert haben und große Gehälter kriegen, ohne sich beim Arbeiten die Hände schmutzig zu machen. Dafür aber, zu merken, dass sie in Wirklichkeit nur dem Mainstream folgen und armselige indoktrinierte Mitläufer sind, sind sie wiederum zu doof, trotz Abi und Uni-Abschluss.

Scheel fragt sich, wie lang die dämliche Lagerstraße eigentlich noch ist, und möchte am liebsten, Na, endlich! hinausschreien, als es nach links geht, zum Eingangstor.

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