Foto: Dina Lucia Weiss
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Dass es so unerwartet nach Sachsenhausen geht, findet Anja erfreulich. Wen wollte Frau Keblatt auch mit dem Naturkundemuseum verarschen? Sachsenhausen, das sind doch mal wirklich gute Nachrichten. Vielleicht lernen die anderen dann auch mal den Unterschied zwischen den Begriffen Konzentrationslager und Vernichtungslager kennen. In einem Konzentrationslager gab es keine Vergasungen, die Menschen wurden durch Arbeit, Hunger und Krankheit vernichtet. Bei einem Vernichtungslager dagegen wurden die Leute nicht erst zur Arbeit geschickt, sondern gleich nach Ankunft in die Gaskammern geführt. Anja geht jede Wette ein, dass nicht einer aus der Klasse das weiß. Aber alle denken sie, sie kennen sich aus. Das sind ohnehin die Schlimmsten: Leute, die mal ne Doku gesehen haben und sich danach so aufführen, als wären sie Experten. Neulich auf dem Schulhof hat Lucas doch zu Stefan gesagt, Ab mit dir nach Buchenwald unter die Dusche, Jude! oder so ähnlich. Daraufhin hat sie diesem Blödmann erstmal erklärt, dass in Buchenwald keine Menschen vergast worden sind. Dann sagte er so, natürlich wurden da Menschen vergast, das ist doch ein Konzentrationslager. Anja wollte sich schon an den Kopf fassen. Nein, sagte sie, es wurden hundertprozentig keine Häftlinge in Buchenwald vergast, weil es ein Konzentrations- und kein Vernichtungslager gewesen ist; die Konzentrationslager wie Sachsenhausen, Ravensbrück, Buchenwald, Neuengamme, Bergen-Belsen und so weiter waren nicht zur Massenvernichtung bestimmt, sondern die Lager im Osten wie Auschwitz, Treblinka, Sobibor, Belzec und Chełmno; das lässt sich auch an den Opferzahlen erkennen, gab Anja anschließend zu bedenken, weil die bei einem KZ wesentlich geringer gewesen sind als in Vernichtungslagern. Der Vollständigkeit halber aber musste sie jedoch hinzufügen, Zugegeben, es gab einige KZs mit Gaskammern, die auch mal in Betrieb genommen wurden; aber die waren im Vergleich winzig und nur unregelmäßig benutzt worden. Als Anja im Begriff war, die Lager zu nennen, in denen Gaskammern installiert gewesen waren, fiel ihr Stefan der Proll ins Wort, Boaah, Alter, texte andere voll, Klugscheißerin, und geh kacken, dir hört doch schon gar keiner mehr zu.


*

Anruf Kaufmann. Sie unterbreitet das Angebot, einen Tag vor der Exkursion in der Schule zu erscheinen und der Klasse vom Lager zu erzählen; sozusagen als Äquivalent für eine persönliche Führung durch die Gedenkstätte. Keblatt sagt ohne zu zögern zu. 

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