Foto: Dina Lucia Weiss
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gehat hob ikh a hejm, itzt hob ikh si nischt mer.

– Mordechaj Gebirtig, gehat hob ikh a hejm


Du bist seit drei Tagen fort. Das Wetter ist nicht besser geworden. Die Menschen, die im Park vor der Busstation auf ihre Weiterreise warten, schlafen in ihren getränkten Zelten und auf dem vom Regen durchweichten Boden. Der Matsch und die Kälte zwingen viele, sich unter die umliegenden Gebäude hinzustellen und zu warten. Manche haben gelernt, im Stehen zu schlafen. Niemand beschwert sich. Es herrscht ein kollektiver Wartezustand. Warten auf den Bus, warten auf der Grenze, warten im Regen, warten in der prallen Sonne, warten in der Kälte, warten mit dem Kind im Arm. Tagelang. Wochenlang. Monate. Ein Mann fragt mich in gebrochenem Englisch, ob ich seine Familie irgendwo gesehen habe, und hält mir ein Foto vor die Nase. Obwohl er eine dicke Wollhaube trägt, erkenne ich sein kantiges Gesicht auf dem Foto. Neben ihm, eine Frau mit Schleier und dick nachgemalten Augenbrauen, die ein kleines Mädchen mit krausem Haar auf dem Arm trägt. Ich schüttele den Kopf, gehe jedoch mit ihm zur nächsten Polizeiwache und übersetze seine Anliegen dem Beamten hinterm Schalter. Du bist seit drei Tagen fort und die Welt versinkt in Matsch.

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