Foto: Dina Lucia Weiss
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Die Sonne strahlte auf die Fäulnis nieder

– Charles Baudlaire, Ein Aas


Sie reist heute ab. In meinem alten Zimmer steht ihr vollbepackter Rucksack wie ein grauer Fels zwischen den Betten. Sie küsst meine Mutter und meinen Vater drei Mal auf die Wangen, schüttelt meinem Bruder verhalten die Hand. Wir gehen aus dem Haus. Draußen tobt die Hauptstraße in regelmäßigen Intervallen des Busfahrplans. Es fehlen die Mülltonnen, die gestern noch links neben dem Haus standen. Jemand hat sie einige Meter weiter nach oben gerückt, dort, wo noch etwas fehlt, nämlich der Baumschatten. Die pralle Sonne nährt die Fäulnis von Restmüll, Bananenschalen, halben Apfelstücken, leeren Plastikflaschen, Windeln, Haustierkadavern, verirrtem Getier. Alles in dieser Tonne wird zur Prozession, zum Zerfall, dem alles weitere hier ähnelt oder ähneln wird. Die Faszination des Gestanks, eine geile Erregung, nur mit der Art Schauder vergleichbar, die einen dann überfällt, wenn Abart und Fetisch sich in Verwunderung verwandeln. Diese Verwunderung zeichnet sich an meinem Gesicht ab. Sie fragt mich, ob alles in Ordnung sei. Ich antworte, ich sei traurig, dass sie schon fahren müsse. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und wir gehen weiter zur Busstation. Auch unser Zur-Busstation-Gehen ähnelt einer Prozession, der eine eigene Art Trauer anhaftet. Auf der Straße wird gerade ein Taubenrest von einem weiteren Fahrzeug zertreten. Sonne nährt weiterhin, doch diesmal meine Kopfschmerzen. Der Bus ist schon zu sehen. Ich renne los, sie mir nach. Dann schließt die Tür, und ich schaue nur dem bretternden Lärm hinterher.

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