Foto: Dina Lucia Weiss
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1011

Wie er gewesen, wäre schwer zu sagen,

Der wilde Wald, der harte und gedrängte,

Der in Gedanken noch die Angst erneuert.

– Dante, Die Göttliche Komödie


Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang bis zum Košutnjak, dem größten Wald der Stadt. Es kann keine Lösung geben für dieses Land,sage ich ihr, erst wieder in zwanzig Jahren, wenn überhaupt. Ich bin angespannt. Sie schaut mich vedutzt an, versteht meine Argumente nicht. Ich verstehe sie selber kaum, suche nach Worten und Beispielen. Wir verlassen den Hauptweg und biegen links in den Wald hinein. Die Baumkronen werfen graue Schemen auf den schmalen Erdweg, der hier und da von Lichtkoben entzweigerissen wird. Die Erde ist trocken. Kein Matsch, in dem unsere Füße versinken und keine Blätter, die unter unseren Sohlen rascheln könnten. Im Dickicht vernehme ich Geräusche, die mich an allerlei Kriechtier denken lassen. Unten ist dennoch alles ruhig. Oben zwitschert allerlei Federvieh Atonales im Durcheinander und gegen den Ostwind. Ich schaudere. Sie fängt meinen Schauder auf und greift nach meinem Arm. Wir schweigen eine Zeit lang. Sie schaut rauf zu den wirren aus abermillionen Strichen zusammengefügten Netzen, die, wenn man den Blick wieder nach vorne richtet, als Äste für sich allein stehen und im leeren Raum nach Luft greifen. Ich schaue auf den Boden und sammle meine Gedanken. Solange wir sorglos mit unserer eigenen Vergangenheit umgehen, solange wird es uns schlecht gehen, sage ich zu ihr. Sie fragt nicht nach, schaut weiterhin nach oben. Sie weiß, wovon ich spreche. Wir gehen immer weiter den Weg entlang, dann steil bergab. Unten angekommen führt der Weg noch ungefähr hundert Meter weiter. Dann, hinter einer Böschung, beginnt wieder die Straße.

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