Foto: Dina Lucia Weiss
Foto: Dina Lucia Weiss

Zu Gast im Mai

17-05 | Philipp Röding

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Dezember

16-12 | Jürgen Bauer

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Oktober

16-10 | Didi Drobna

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im September

16-09 | André Patten

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Mai

16-05 | Valentin Moritz

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im März

16-03 | Elias Hirschl

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Februar

16-02 | Markus Mittmansgruber

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

0624

Man muss die Dinge stumm aus der Distanz betrachten.

 

Die attraktiveren Frauen klopfen schon an. Lass sie herein. Oder sie dich – das ist einfacher. Du kannst niemanden herein lassen.

 

Die Tür ist zu.

 

Herr T. lehnt am Fenster und raucht eine Zigarette – nur so kann ich ihn mir vorstellen: Als Schatten am Fenster und rauchend. Ich will intelligente Dinge sagen wie: Wir leben nachts weil – dann brauchen wir die Welt nicht. Aber im Kopf klingt das immer so so so so … Und nichts von dem, was ich denke – in der Nacht, nichts von dem ist haltbar in den Tag hinein. Keiner meiner Gedanken ist haltbar, greifbar. Ich sage nichts. Ich schaue mir diese Vorstellung an, ganz ruhig. Ganz ruhig S., ganz ruhig. Man muss die Dinge stumm aus der Distanz betrachten – dich. Ich muss dich stumm aus der Distanz betrachten. Ich muss dich stumm betrachten. Manchmal kann ich nicht aufhören, einen Menschen anzuschauen. Dich. Manchmal kann ich nicht aufhören, dich anzuschauen. Manchmal fehlen mir die Augen – man muss Augen haben, um die Dinge zu sehen. Dich. Man muss Augen haben, um die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Usw. – Lippen um zu schmecken usw. Und ich beiße mir auf die Lippe. Ich bin ein Mensch, der sich auf Lippen festbeißt. Ich bin ein Mensch. Das ein oder andere fällt mir schon aus dem Mund, über die Lippen, aus den Händen. Ich bin ein Mensch, der Dinge fallen lässt. Ich bin ein Mensch. Ich bin ein Mensch. Ich bin ein Mensch, der Dinge fallen lässt. Ich bin ein Mensch, der Dinge fallen lässt und alles zerspringt in viele kleine Teile. Ich bin ein Mensch. Und alles zerspringt in viele kleine Teile. Ich zerspringe in viele kleine Teile – aus der Distanz und stumm. Ich. Ich zerfalle in i – c – h. In meiner Vorstellung steht Herr T. noch immer am Fenster, ein Schatten, eine Silhouette – mehr kann ich ohne Brille nicht erkennen. Nur seine Umrisse und die rhythmische Bewegung zu den Lippen hin.

 

Ich drehe den Kopf. Ich sehe … das Dach – einen Balkon irgendwo aber es ist verschwommenes Gelb gegen Braun und Weiß … ich bleibe noch einen Moment liegen – ich versuche die Schärfe auf den Fensterrahmen zu richten aber es funktioniert nicht. Nichts funktioniert ohne Brille. „Und du?“ – „Hm?“ er schaut auf. „Was siehst du morgens als erstes?“ ich stochere in meinem veganen Kuchenstück. Vegane Kuchen fallen immer irgendwie auseinander. Er zuckt kurz mit den Schultern. Später dann stehe ich vor dem Fenster – die Scheiben sind fleckig. Er sagt, er will sich nicht festlegen – in einem Leben passiert so viel. Und Beziehungen entwickeln sich um die Menschen herum. Ich stochere in den Kuchenbrocken. Er schaut kurz auf. „Du bist ganz schön kompliziert.“ sagt er. Das Mädchen mit den kurzen Haaren ist ganz schön kompliziert – denke ich. Das Mädchen mit den kurzen Haaren schaut zurück auf die Flecken. „Wir teilen nichts – verstehst du? Wir teilen nichts – wir teilen weder Wahrnehmung noch Kommunikation – wir gehen immer nur aneinander vorbei – wir sind ins Sein geworfene, aneinander passierende Subjekte.“ Uns er meint alle. Kuchen zum Frühstück, denke ich, veganer Kuchen zum Frühstück passiert auch einfach so und trockene Krümel an meinen Fingern. „Man verliebt sich so schnell in vermeintliche Gemeinsamkeiten – aber eigentlich haben wir nichts gemeinsam – wir suchen nur danach und hören letztlich nicht genug zu. Ich verliebe mich nicht.“ Ich blicke auf. Jeder liebt wie er liebt, denke ich. Mein Herz knackt – Diotima kommt mir in den Sinn. Aber wir begreifen es nicht. Wir sprechen von Wissen – aber nein, wenn man wirklich etwas weiß, ändert sich dann nicht auch – alles andere. „Die ganze Menschheit basiert auf einem naturalistischen Fehlschluss.“ und die Krümel an den Fingern … ich suche nach der Verbindung – nach dem Verbundenen – nach allem. Ich greife nach kleinen Strohhalmen. Ich greife und halte sich fest – in die Haare greifen, sich festhalten. Ich greife und halte fest – nichts will gegriffen, nichts will gehalten werden. Und unsere Verbindung ist ein letzter Griff in Locken – Erinnerung. Nein. Nein…nein. „Vielleicht verliebt man sich auch in das, was der andere in einem auslöst.“ wollte ich sagen mit trockenen Brocken im Hals – mit alten Krümeln an den Fingern – mit Flecken auf der Scheibe, Verschwommenes. Ich ziehe die Zehen zusammen. Ich schaue dich an. Wenn man in dem Anderen sich selbst nicht mehr sehen muss, denke ich – wenn man den Anderen ohne sich sehen kann – durch sich aber…Flecken…Glas. Aber so wirklich ist nichts passiert.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0