Foto: Dina Lucia Weiss
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0602

Der Weg ist in beide Richtungen störanfällig.

 

M. schaut auf meine Hände und will wissen, ob ich aufgeregt bin. Ich behaupte, meine Hände würden immer so zittern. Das ist normal, sage ich. Aber was normal ist, weiß ich nicht.

 

T: Ich wünsche mir Nähe und das ist kein Euphemismus für seelenlosen Sex.

 

S: Ja, schreib das. Das kauft sie dir bestimmt ab.

 

Ich liege mit Flo im Bett. Seine Arme umfassen meinen Hals fest. Ich will von ihm wissen, warum wir nicht zusammen sind. Wir lägen im Bett, wir seien zusammen, sagt er. Er lässt nicht los und das Mädchen schreit, ich will Luft. Wir liegen hier nur so aber zusammen sind wir nicht, sage ich oder denke ich – ich weiß es nicht mehr, die Ebenen verschwimmen in meinem Kopf und die meisten Gespräche führe ich nur unter der Dusche – ewig lange Duschmonologe. Wir liegen hier nur so aber zusammen sind wir mit Anderen – du immer noch mit der blonden Bohnenstange, für die du mich verlassen hast und in meinem Kopf habe ich sie liebevoll Pferdefresse getauft. Ich liege mit Flo im Bett. Seine Arme umfassen meinen Hals fest. Ich will von ihm wissen, warum wir nicht zusammen sind – warum wir uns nicht besitzen. Weil es nicht funktioniert hat, erinnerst du dich nicht? Seine Stimme verhallt in dem lichtdurchfluteten Raum – wer im Glashaus sitzt usw. Seine Stimme hallt auf dem Grund meines Bewusstseins – ich erinnere mich. Ich erinnere mich, nicht mehr ich zu sein. Ich will mind. zwei oder drei Personen gleichzeitig sein aber eigentlich so zwanzig, dreißig und es heißt immer: Sei ganz du selbst. Aber ich verstehe das nicht, weil ich immer ich bin und so tun soll, als wäre ich genau Eine. Die Eine. Wir sind nicht zusammen, weil ich nicht die Eine bin, weil ich nicht ich bin, wenn wir zusammen sind. Dann bin ich eine Folie zwischen deine Arme gepresst und du kannst nach belieben zudrücken – ein Stück Papier, das man in der Handfläche zerknüllt und wegwirft. Du hast vergessen, was du dir notiert hast. In den Gängen um unseren Glaskasten herum – ich will in Mitten deines Bildes sein – und in den Gängen um uns herum tragen die Frauen weiße Kleider und wollen sich zur Hochzeit eintragen lassen – zur Hochzeit.

 

Du bist alles, was ich brauche. Ich liege in mitten deines Bildes, zwischen das Schilf hast du mich platziert. Ich bin in aller Munde – auch in deinem. In diesem, deinem Mund. Ich bin in deinem Mund, der nichts anderes will, als dein Licht zu teilen. Ich bin nur eine Motte, die versucht, der Nacht zu entfliehen. Ich halte mich nur mit dir auf, weil es keinen anderen gibt.

 

Fallhöhe

 

Fallhöhe z.B., ist ein schönes Wort. Irgendwie. Es bedeutet die Distanz zwischen Menschen, wenn man sich vertut. Wenn ich aus Versehen vergesse, dass ich nicht Du bin. Und manchmal stürzt es auf mich ein – dieses Vergessen. Dann machst du große Augen und relativierst alles und mich. Letztens hat so ein Typ gesagt, meine Texte seien zu intellektuell – er sieht da bebrillte Studenten mit Reclamheftchen im Café sitzen und sich Notizen machen. Mir war Reclam schon immer zu klein. Und ich zähle die Tage, bis du mir endlich langweilig wirst und ich dich vergessen kann. Ich kann nicht anders, als immer alles zu erwarten. Ich kann auch nicht anders, als mir immer alles in Geschichten zu erzählen – ich kann nicht darauf warten, was du tun wirst. Du tust nichts. Fallhöhe sind diese Geschichten, die ich mir selbst erstammle immer wieder, weil ich den Text nicht kann. Ich kann den Text nicht. Ich kann nichts sagen – weil Stille bedeutet, dass ich unbedingt ganz viel sprechen muss. Ich muss ich sagen – immer wieder. Ich, ich, ich. Ich. Ich. Ich will es so häufig sagen, bis es seine Bedeutung verliert – es ergibt schon keinen Sinn mehr – ich. Aber die meisten Ich-Sager finde ich sehr hübsch – ich erzähle mir dann ihre Ich-Geschichten – ihre Nicht-Lyrischen-Ich-Geschichten. Ihre ganz banalen Ich-Geschichten. Ich. Ich. Ich denke an die Menschen, die weinen. Und Menschen, die ich sagen, weinen immer – ich kann es mir anders nicht vorstellen. Ich erzähle mir Geschichten von weinenden Menschen. Das beruhigt mich. Dann denke ich an mich. Und ich. Ich. Ich. Ich bin so wild nach deinem Ich. Ich – das ist diese Fallhöhe zwischen ich und ich. Subjekt-ich und Objekt-ich – sagt Hölderlin. Die Franzosen haben es leichter – die haben wenigstens je und moi. Jetzt bin ich schon wieder so intellektuell und intellektuell bedeutet distanziert. Weil mir zu jedem ich gleich ein Zitat einfällt – ich will dich zitieren. Ich will dich in Stücke reißen und alles neu zusammensetzten – so nach meiner ganz eigenen Geschichte neu zusammensetzten. Damit du mir nichts mehr erzählen kannst von den Dingen, die so sind und so. Ich weiß das doch alles. Ich – das ist diese Fallhöhe zwischen dir und mir. Das sind diese Geschichten. Immer wieder.

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