Foto: Dina Lucia Weiss
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0526

Leckagen 3

 

Im Wohnzimmer liegt eine alte Matratze, auf der ich mich größtenteils aufhalte, um die Schäden des Ganzkörpereinnässens gering zu halten. Ich ärgere mich über nasses Vinyl. Ein Tropfen ist unbemerkt geblieben. Es knackt und die Nadel zerteilt ihn in viele Spritzer, die sich über mehrere Rillen ausbreitet. Rio Reiser lallt, die Gitarre verrutscht. „Macht kaputt was euch kaputt maaaaacht“. Das zweite „macht“ ist viel zu lang. Die Pflanzen brauchen Wasser. Gummibaum, Ficus, Madagaskarpalme. Ich starre sie von meiner Matratze, ach was, meiner Wohnwindel, an. Ich kann das hungernde Grün nicht gießen, schaffe es nicht, schaue ihnen zu, wie ihre Blätter an Kraft verlieren, die Spitzen braun werden. Dahinter beschlagene Fenster. Seit drei Tagen denke ich über mein Unglück nach. Was, wenn ich eine Steckdose anfasse und einen Stromschlag bekomme? Was, wenn mein Körper nachts die Wohnung flutet und ich im Schlaf ertrinke? Oder verdursten? Ich könnte nachts verdursten. Ich bin beunruhigt, stelle mir vor, das Wasser würde nicht aus mir herausperlen, sondern sich langsam zwischen meinen Organen stauen, meinen Bauchraum fluten, mein Sonnengeflecht erkalten lassen und Tag um Tag ansteigen, bis ich irgendwann vollkommen angefüllt wäre, wie ein Aquarium. Wobei ich nicht weiß, welche ausfallende Körperfunktion mit letztlich das Ende bereiten würde. Der letzte Anfall ist zwei Tage her. Die Unruhe wächst. Auf dem ungeöffneten Umschlag ist die Tinte verschwommen. Meine Hände zittern, Brechreiz im Hals. Die Feuchtigkeit hat das Papier welken lassen. Bevor ich das Blatt auseinanderfalte, strömt ihr Duft heraus. Ich sehe ihre zerfleckte Schrift. Ruf mich nicht mehr an. Ich liebe dich nicht mehr. Feuchtigkeit im Magen, der Blase, im Hals, im Kopf. Mein Schluchzen zerkreischt Rios Stimme, mein Gesicht tränennass. Unter mir alles trocken.

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