Foto: Dina Lucia Weiss
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0524

Leckagen 1


Als ich vor dem Spiegel stand, mit offenem Mund und dem gewachsten Faden, der durch meine Zahnzwischenräume schnitt, kündigte sich die neue Beschaffenheit meiner Welt mit einem kleinen Tröpfchen an, das sich den Weg aus den Nebenhöhlen in Richtung Oberlippe suchte. Die Speisereste, die wie aufgehängte Wäsche an der gewachsten Leine zwischen meinen Backen baumelten, lenkten meine Konzentration auf sich, weshalb ich die Feuchtigkeit für herkömmliches Nasensekret hielt, das nach einem kurzen Griff im Taschentuch verschwand. Den Zellstoff in meiner Faust verschlossen, spürte ich zum ersten Mal diese eigenartige Nässe über die Papillarleisten meiner Fingerkuppen rinnen, durch meine Handinnenfläche hinein in meine verfilzte Lebenslinie und über den Handrücken, bis sie zu meinem Handgelenk floss und zu tropfen begann. Im Badezimmer Nasses zu spüren, schien mir im ersten Augenblick nicht besonders eigenartig zu sein und der zarte Fluss aus meiner Nase hatte sich bereits beruhigt, als ich das aufgelöste Taschentuch, das sich Schicht für Schicht mit Wasser vollgesogen hatte, ins Waschbecken pflatschen ließ. Dann erst merkte ich die Kälte an meinen Füßen, die mich dazu zwang, nicht weiter zu ignorieren, dass es Leckagen an meinem Körper geben musste.

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