Foto: Dina Lucia Weiss
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0218

ende gleich anfang, #3

zwei minus eins // die falle ist zugeschnappt, ohne dass die beiden es gemerkt hätten. vielleicht waren sie gerade beim fernsehen, an einem dienstag im september um 20.15 mit chips und cola. plötzlich prinzessin, herr der ringe, lost highway oder schlaflos in seattle. oder es war montags, beim diskutieren über unbezahlte rechnungen. über das eigenheim, das sie haben wollten, in der zukunft, irgendwann einmal. oder freitag nachmittags, als sie gerade von der tagschicht heimgekommen war und ihr versuch ihn zu verführen mehr oder weniger geglückt. und die falltür machte zack, während sie gerade mitten bei der sache waren. nur war keines der beiden sich selbst genug, ein umfeld außer einander kaum vorhanden und schon seit geraumer zeit vernachlässigt worden. ihre kolleginnen in der apotheke interessierten sie so wenig wie ihn die seinen aus dem büro. ein abend zu zweit eine allseits akzeptierte ausrede. die schotten also schon dicht. ein ausbrechen schwierig. ihre älteste freundin hatte ihr einmal gesagt, der verlassene teil muss manchmal dem anderen dankbar dafür sein, den mut aufgebracht zu haben. aber: mut wird gerne auf später verschoben.

später lag diese zeichnung auf seinem schreibtisch und die frage in der luft: du, sebastian, was hast du da gezeichnet? einen rosa ballettschuh und einen bergstiefel. und was heißt das, ich meine, willst du jetzt ballettstunden nehmen oder hast du an unseren letzen sommer in den bergen gedacht? nein, das sind schuhe, aber nicht zwei paar schuhe, sondern ein paar, aber das paar passt nicht zusammen … sie wollte weinen, ihn ohrfeigen, aber da zog so etwas verschrecktes durch seinen blick, das sich eben nun mal ausdrücken wollte, und das verschreckte war es wohl auch, das dieses ungleiche paar schuhe fabriziert hatte. sie wollte nun doch nicht mehr streiten – also versöhnung vor dem streit, welche strategie nun diesmal, fragte sie sich. ohne zu wissen, was sie sagen wollten, öffneten sich ihre lippen: sebastian, es sind doch beide gleich groß und links beide – so wie wir – und zwei linke hände haben wir auch alle beide und recht ähnliche dinge und sachen auch sonst, oder? schweigen staute sich im raum und der berg-, der ballettschuh fing an zu weinen. sie verschwand ins badezimmer, kehrte zurück, das gesicht geputzt und eine blumenwolke um sich tragend wie einen schutzmantel, der aber nicht ganz dicht hielt, schon löcher hatte wie ihr alter dufflecoat und der wetterfleck ihrer kindheit, nun gossen die tränen ihren gefleckten blumenmantel – er stand da und sagte nichts und sie hasste ihn dafür, dass er sich gefasst eine zigarette ansteckte, während sie ihn fassungslos anstarrte, dafür, dass er ihr diesen kühlen blick entgegenwarf – das gefühl, dass etwas kaputtgegangen war, und das nicht erst seitdem sie das bild gesehen hatte, begleitete sie durch die schlaflose nacht. beim aufstehen war es klar und gegessen für sie wie die semmeln zum frühstück und der gemüsereis zu mittag. flucht nach vorn: du hast recht, sagte sie, wir sind zwei paar schuhe – und die sollten in zwei verschiedene richtungen gehen.

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