Foto: Dina Lucia Weiss
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0217

ende gleich anfang, #2

zwei mal eins // innerhalb von wochen wurde aus zwei menschen ein paar. es war schön, nicht mehr alleine schlafen zu müssen, immer eine begleitung fürs kino an der seite zu wissen, am samstag gemeinsam zum naschmarkt zu bummeln und dann abends zu kochen, sonntag morgens laufen zu gehen und dann gemeinsam beim frühstück die zeitung zu lesen. ihn gelegentlich um fünf vor der tür des bürogebäudes zu überraschen und ihn in sein lieblingscafé zu locken. manchmal hatte ihr ausgehen kein ziel: auf schusters rappen unterwegs in wien, am liebsten flanierten sie durch den ersten bezirk und einmal sagte sie zu ihm: weißt du, dass die farbe der grünspandächer die lieblingsfarbe meiner kindheit war? sie dachte dabei an die drei buntstifte, die sie sich einmal bei libro aussuchen hatte dürfen: die waren zartgrün wie diese in die jahre gekommenen kupferplatten, türkis wie die schwänze von meerjungfrauen und kobaltblau wie der abendhimmel, wenn die hand ganz zart mit dem ungespitzten buntstift über das papier fuhr … alle paar wochen hatte sie einen neuen block gebraucht, weil der alte zwar schlösser mit grünspandächern, aber keine freie seite mehr beherbergt hatte. in manchen der schlösser hatten prinzessinnen gewohnt, in anderen meerjungfrauen. himmel und meer waren kobaltblau, die bleistiftgesichter noch etwas störend, bis sie den hautfarbenen buntstift auch bekommen hatte, später noch den rosaroten für die lippen. irgendwann hatte melanie genug gehabt von meerjungfrauen mit fischschwänzen und gegen prinzessinnen hatte sie richtige aggressionen entwickelt. da war auch die erste barbiepuppe stranguliert worden, das war wohl zur der zeit, wo der erste anflug von weltschmerz sich in wut gewandelt hatte – die massakrierte barbie hatte dann jahrelang am türrahmen zu hängen, war zum symbol ihrer rebellion geworden wie offene schnürsenkel und grüner lippenstift.

manchmal erzählte auch er ihr eine seiner geschichten. einmal gingen sie den donaukanal entlang, vom flex bis zum kronenzeitungsgebäude, und er begann von seiner familie zu sprechen. vom vater beziehungsweise von dessen abwesenheit. von der mutter, die eigentlich immer zu hause war. von der roten wollmütze, die sie ihm einmal vom großeinkauf im konsum mitgebracht hatte und mit ihr das gefühl, durch den novembernebel leuchten zu können. außer mit geschlossenen augen, da hatte er gedacht, er wäre unsichtbar. von den fünf kugeln eis, die er als sieben- oder achtjähriger zum schulschluss verputzt hatte, den langen sommernachmittagen im schwimmbad. es wurde auch in diesem jahr sommer, die tage wurden heißer, die spaziergänge weniger. und so spontan, wie sie sich manchmal noch nach der arbeit auf einen eiskaffee zwischen seinem büro und ihrer apotheke trafen,  zog sie auch bei ihm ein. eigene vier wände, die häusliche idylle der zweisamkeit.

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