Foto: Dina Lucia Weiss
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2016

ende gleich anfang, #1

eins plus eins // an diesem kalten märzabend den gehsteig und den bahnsteig abgetreten, sich auf den heimweg zu ihm begeben mit lauter herztrommel, dem kleinen klong klong, ein rasseln und prasseln wie um ein kind zu erwecken. so redete sie mit dem herz in ihrer brust, redete ihm zu wie eine mutter dem kleinen, wie in filmen männer ihren frauen mit dem kindblick – feuchte hände hielten den riemen der tragtasche und das mobiltelefon, das nicht klingen wollte – es zog sich eine auf- und erregungslinie durch ihren körper, vom scheitel ins hirn, das prasselherz, den schoß, von den weichen knien bis hinunter zu den zehen, den kleinen, den großen und denen dazwischen. sie zählte mit leiser stimme die schritte zu seiner haustür, überlegte, was sie sagen würde, wenn er dann den hörer der gegensprechanlage abnimmt. hallo? ich bin’s? bist du da? mach auf, ich hab uns eine flasche wein mitgebracht? was trieb diese schüchternheit in ihre hände, die anfingen zu zittern? oder lag das zittern am mützen- und wollstrumpfwetter, welches ihr vielleicht den letzten schnee bis zum nächsten dezember bescherte? sie zog handschuhe an.

57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, sie kramte ein taschentuch aus ihrer tasche und schnäuzte sich, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, in ihrer manteltasche vibrierte etwas, aber es war nur eine mitteilung, dass ihre arbeitskollegin den frühdienst am montag übernehmen würde, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, sie war schon fünf minuten zu spät, aber das war ihm sicher egal oder sogar recht so, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, sie beugte sich kurz über den rückspiegel eines geparkten autos – die schminke war noch nicht verronnen, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, bei 100 war sie an seiner tür angelangt. ein klingeln, ein hallo, ein hallo, ich mach gleich auf, und da stand sie vor ihm im flur mit roten wangen, herzklopfen und stiefeln, von denen der schnee langsam schmolz. anfangs je eine armlänge abstand gehalten, er im warten darauf, dass sie sich aus der winterhülle wickelte, dann konnte er ihr mantel und schneeschuhe abnehmen, sie zur heizung stellen, auf dass sie später trocken wären. nun sich beide langsam nahe gekommen, dem atemfluss des du gelauscht, fußspitzen angetippt, sich bedeckt mit handflächen und armen, sich zungenküssend aneinander gezogen. der wein blieb unberührt auf der kredenz stehen. sie verließ seine wohnung erst am übernächsten morgen.

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