Foto: Dina Lucia Weiss
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0209

quartett #1

oberflächenspannung
in der straßenbahn die junge frau, von der wir nichts wissen, außer dass sie nach dem gesetz der wahrscheinlichkeit (welche den begriff gesetz laxer handhabt als die dreifaltigkeit der gewaltenteilung) noch keine dreißig ist, dass sie einen nasenring und ein t-shirt von h&m trägt und anscheinend auch von dort kommt – in der einen hand hält sie ein unstrapaziertes sackerl der kleiderkette. sie ist raucherin oder hat sich gerade an einem verrauchten ort aufgehalten. ihre haut ist empfindlich und leicht gerötet, der sonnenbrand muss von den letzten tagen herrühren, um die nase haben sich sommersprossen gebildet – die hat sie aber vielleicht auch im winter. auf ihrem rucksack sind buttons mit den logos diverser rockgruppen und aufnäher mit den gesichtern von kurt kobain und che guevara. ihr handy hat einen ringtune von placebo; sie hebt nicht ab, als es läutet, sondern schaltet um auf lautlos, zwischen schlachthausgasse und simmering nimmt sie es aber drei- oder viermal aus der tasche, nur um es wieder einzustecken und erneut herauszunehmen. sie seufzt. sie trägt eine armbanduhr, die zehn minuten nachgeht. vielleicht hat sie keine eile. schräg gegenüber die andere frau, die gut 15 jahre älter sein könnte als sie, die eine helle hose und eine jeansjacke trägt, darunter ein rot-weiß-gestreiftes leiberl. die haare sind kurz und dunkelrot gefärbt. um den hals trägt sie eine goldkette. in ihren händen eine illustrierte und ein kugelschreiber, ein blick auf ihren schoß verrät, dass sie gerade das kreuzworträtsel löst. der dritte platz, neben der jungen und gegenüber der etwas älteren frau, wird von einem mann belegt. er kratzt seinen bart und räuspert sich, kramt in seiner tasche und legt sich für das verlassen der straßenbahn eine zigarette und sein feuerzeug zurecht. das feuerzeug ist aus blauem plastik. die ältere dame mit der dauerwelle und dem kleinen hund auf dem schoß sitzt zwischen den dreien, in fahrtrichtung. da die frau neben ihr üppige hüften hat, streift ihr knie an den beinen des neben ihr stehenden mannes, der um die 50 sein mag. er hat starke muskeln und einen runden bauch, ein flinserl und eine lederjacke. um die uhrzeit sind kaum studierende unterwegs – die würden vielleicht bei der nächsten haltestelle aussteigen, weil sein erscheinungsbild dem klischee von jemandem entspricht, der nach den fahrausweisen fragt.

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