Foto: Dina Lucia Weiss
Foto: Dina Lucia Weiss

Zu Gast im Mai

17-05 | Philipp Röding

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Dezember

16-12 | Jürgen Bauer

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Oktober

16-10 | Didi Drobna

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im September

16-09 | André Patten

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Mai

16-05 | Valentin Moritz

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im März

16-03 | Elias Hirschl

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

Zu Gast im Februar

16-02 | Markus Mittmansgruber

> zur Biografie

> zum online-KLISCHEE

0203

miniaturen in ich-form, #3

wir teilen ein einzelbett
„es ist schön, mit dir zu teilen.“

ich teile gerne. ich habe das kinderzimmer mit der schwester, geheimnisse mit meinen schulkolleginnen und sogar schon einen liebhaber mit meiner besten freundin geteilt. ich habe kein problem damit, zu teilen. die mädchen aus meiner clique durften meine kleidung tragen und umgekehrt, auch wenn etwas neu war oder besonders schön. wir teilten kekse und notfalls, wenn eine von uns keine dabei hatte, auch zahnbürsten. in meinen beziehungen wurden immer die inhalte beider geldbörsen geteilt – wenn niemand mehr vier euro für den nachtbus hatte, gingen beide zu fuß nach hause. letzte zigaretten, die von hand zu hand gereicht wurden. bücher mit zwei lesezeichen an verschiedenen stellen. auch der kaffee wurde geteilt, wenn das pulver nur noch für eine tasse reichte. aber du bist der erste mann, der mit mir in einem bett schlafen darf. jeder andere musste nach vollzogenen annährerungen, sexualakten oder auch nur nebeneinander liegend verbrachten nachmittagen auf die couch ausweichen.

es bedeutet zu viel vertrauen, neben einem menschen zu schlafen. beziehungsweise: es bedeutet zu viel vertrauen für mich. vertrauen, das ich nicht aufbringe. früher wusste ich nicht, woran das liegt. mittlerweile glaube ich, es zu wissen. der gute kumpel, der einmal – aus reinem platzmangel, das hatte ich ihm auch deutlich gesagt – neben mir schlafen durfte. der genauso betrunken war wie ich. versuchte, mit mir zu schlafen, während ich schlief. irgendwie muss ich aufgewacht sein und geschafft haben, ihn abzuwehren – ein filmriss verhindert genauere erinnerungen.

seither schlief ich alleine. immer. tiere bildeten eine ausnahme. als ich noch in der wohngemeinschaft in der nußdorfer straße lebte, in diesem altbau mit der linde im hof, durfte bello bei mir schlafen. bello war unser kater und ist kurz nach meinem auszug gestorben. er hieß bello, weil er erstens wunderhübsch war und sich zweitens verhalten konnte wie ein hund. als er krank wurde, hatte ich ein schlechtes gewissen, weil ich fühlte, dass meine abwesenheit zu seinem zustand beigetragen hatte. ich habe meine drei mitbewohnerinnen und ihn trotzdem nicht besucht. ich hatte angst, dass ich hätte bleiben wollen, meinen wohnungswechsel rückgängig machen. zurück in diese hohen, düsteren räume, in denen es nach kardamom und rauch roch. in denen sich zeitungen und schmutzwäsche am boden häuften. und an deren wänden alinas photos hingen. meist schwarz-weiß, selten farbe. oft detailaufnahmen. die mochte ich am meisten.


das einzelbett, das ich mit dir teile, stammt aus der nußdorferzeit. du liegst darin und räkelst dich im halbschlaf, während ich versuche, die kaffeemaschine leise genug zu bedienen, um dich nicht zu wecken. für gewöhlich wachst du auf, sobald ich mit gegenständen hantiere. heute nicht. eigentlich wolltest du mein einzelbett nicht übersiedeln. du meintest, du würdest uns ein größeres kaufen, ein königsbett. ich war dagegen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0