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Als alles lag


Und es kam der Tag, an dem kein Europäer mehr aus seinem Bett aufstand. Kein Franzose zog los, um Baguette zu kaufen. Keine Holländerin fuhr Fahrrad. Kein Schwede aß Fleischbällchen, keine Britin trank Tee. Kein Grieche streikte – oder alle Griechen streikten, da ja niemand in die Arbeit ging. Und es führte auch niemand weniger klischeehafte Tätigkeiten aus: Alles lag.
Gerüchten zufolge bewegten sich aber die Asiaten sehr wohl noch, aus purem Pflichtgefühl. Und es hieß auch, dass der eine oder andere verrückte Amerikaner noch durch sein Leben ging. Und von Afrika hörte man wie immer nichts, weil es zu deprimierend hätte sein können. Und eigentlich hörte man von nirgends mehr etwas, weil alle Zeitungsredakteure und Radiosprecherinnen, alle ZiB-Moderatoren und Onlinejournalistinnen, weil alle, alle im Bett lagen. Es hätte auch niemand geschafft, sich zur nächsten Zeitung, zum nächsten Radio oder sonst wohin zu bewegen.
Nur eines ist aus sicherer Quelle überliefert. Der deutsche Kanzler sagte unter Aufwendung der letzten Kraftreserven seiner Kiefermuskulatur am Telefon zur Präsidentin von Frankreich: „Oh, sehen Sie nur, wir sind vor Angst gelähmt!“
Aber sie konnte ihn nicht hören, denn der Hörer lag viel zu weit weg von ihrem Ohr.

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