Foto: Dina Lucia Weiss
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Zu Gast im Mai

17-05 | Philipp Röding

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Zu Gast im Dezember

16-12 | Jürgen Bauer

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Zu Gast im Oktober

16-10 | Didi Drobna

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Zu Gast im September

16-09 | André Patten

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Zu Gast im Mai

16-05 | Valentin Moritz

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Zu Gast im März

16-03 | Elias Hirschl

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Zu Gast im Februar

16-02 | Markus Mittmansgruber

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Warm Beer And Cold Women

Ausgebrannt vom Whiskey, gefüllt mit Zigarettenrauch sitzt sie in irgendeiner Bar im Leeren und vergeudet sich. Niemand, der sie dabei unterstützen würde. Weder mit Streichern, die ihr Leben mit einer großen Symphonie hinterlegen, noch mit Streichlern, die ihrem Gesicht ein Gefühl von Zärtlichkeit vermitteln. Absolut niemand an ihrer Seite, bloß zwei Männer als weitere Gäste in der Bar. Die Szene mutet ein wenig an das Bild „Nighthawks“ von Edward Hopper an, bloß einen Hauch düsterer und deutlich mehr verloren. Der kalte Rauch schmiegt sich an sie an und eine Platte von Tom Waits säuselt sich aus den Lautsprechern heraus in ihr Ohr. Den ganzen Abend schon ist ihr, als ob ein heimliches Publikum hinter der geschwungenen Glasfront lauert und jede ihrer Bewegungen mit einem Lachen oder einem Johlen beantwortet. Ihre Müdigkeit macht sich breit, das Kleid wird nach und nach eng. Allein das Aufglimmen ihrer Zigarette lässt ihre Augen aufleuchten und gibt ihr wieder Anlass zur Sorge, ihre Umgebung zu begutachten. Der Kellner fesselt ihr Interesse für recht kurze Zeit, zu glatt und bejahend wirkt sein Auftreten und das Polieren der Gläser. Der Mann zu ihrer Rechten, verloren in seinen Gedanken, kritzelt mit einem Bleistift Zahlen in einen Notizblock. Sein Leben scheint dadurch einfach und logisch, erklärbar. Dann und wann stöhnt er zwar ein wenig auf oder räuspert sich, wirft einen genervten Blick zu den Lautsprechern, aber spätestens nach dem einstudiert sicheren Griff zum Taschenrechner oder dem Blick auf die braune Lederarmbanduhr, dem Vergewissern der Sinn- und Zahlenhaftigkeit seines Daseins, legen sich seine Unmutsbekundungen auch wieder. Er scheint sich nicht ablenken zu lassen von ihrer Anwesenheit. Der Mann gegenüber ihr zieht ihre Aufmerksamkeit deshalb um einiges mehr an. Auch er hat etwas Stoisches, hält sein lauwarmes Bier fest in der linken Hand und nippt zum Ende eines jeden Liedes daran. Immer wieder streift sein Blick den ihren, während er seinen Kopf zur Musik hin und her wippen lässt. Gerade als sie beschließt ihn anzusprechen, macht er einen letzten großen Schluck aus seinem Glas, steht auf, rückt den Hocker zurecht, wankt zu ihr hin und flüstert ihr ins Ohr: „I think I'm gonna plant you now and I'm gonna dig you later.“
Sie schlägt ihm ins Gesicht und verschwindet aus der trostlosen Szene. Das Publikum im Hintergrund grölt vor Begeisterung. Vom Himmel her leuchtet der große Wagen.

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