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Eine Lücke aus dem Arbeitstitel „Herbeigezogen“

[…] Judith und Andreas sind im Grunde schon seit Ewigkeiten ein Paar. Ein schönes Paar, würden ihre gemeinsamen Freunde sagen, wenn man sie fragte. Eines dieser Paare, denen die gemeinsame Ewigkeit nichts macht, denen das Ewige gar nicht auffällt. Menschen, die nicht müde werden an der Zweisamkeit. Die beiden lernten sich kennen, als sie noch ganz jung waren, als er noch nach Pubertät und Deospray roch und sie nach unberührtem Mädchen. Sie gingen in die selbe Schule, er in den bildnerischen, sie in den Sportzweig. In Deutsch und Mathe waren sie in der gleichen Leistungsgruppe. Judith kämpfte vor allem in Mathe, Andreas kämpfte vor allem mit seinen Pickeln, alles andere war ihm egal. Außerdem wollte er Künstler werden und mit Leistung nichts am Hut haben. Bloß mit profitabler Originalität. Er fiel ihr sofort ins Auge, wegen seiner hellblauen Augen, die gar nicht zum sonst so dunklen Gesicht passten und sie verliebte sich sofort in ihn. Auge um Auge quasi. Der angebrochene Klang seiner Stimme, das leichte Knacken beim Versuch tiefe Worte zu sprechen, jagte ihr jedes Mal einen Schauer über die Schenkel.
Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte er sich ruhig öfter im Unterricht melden können und seine Stimme tanzen lassen. Sie verliebte sich in ihn, lange bevor er sich in sie verliebte. Und als er sich dann dazu bereit erklärte, sich in sie zu verlieben, verliebte er sich eigentlich in ihren Körper, in ihre frisch geknospten Brüste und den glatten Rücken dahinter. Und auch in den Duft ihres Körpers verliebte er sich, weil ihre Haut diesen angenehmen Zustand der Unbeholfenheit und Zartheit ausströmte, versetzt mit einem Hauch von Waschmittel. Von sich selbst wusste er, dass er stank. Und diesen Umstand lastete er seiner Mutter an, tut das nach wie vor, die ihn zum einen in diese Welt geworfen hat, in der Männer nun mal nicht so anmutig duften, wie Mädchen das tun, und die zum anderen jegliche Art von Waschmittel verwehrte. All seine Hosen und Pullover verbreiteten einen unerträglichen Gestank nach nassem Hund, weil seine Mutter all die Kleidung bloß mit Waschnüssen bearbeitete und die Waschmaschine mit Regenwasser lief. Er roch also nach Hund und Pubertät und Axe Africa Deo. Der Teufel selbst riecht so. Diese nasentümlichen Eigenheiten haben sich allerdings mit dem Laufe der Zeit geglättet.
Im Laufe dieser Zeit sind Judith und Andreas einander nahe gekommen. Vom Verlieben zum Lieben dauert es halt ein wenig. In den Pausen standen sie häufig zusammen in einer Ecke des Klassenraums und kicherten über dieses und jenes, über Jausenbrote, Michael Jackson und Adolf Hitler. Ja, sie wussten Bescheid über die Schrecken des Nationalsozialismus und über die Grausamkeit eines schlampig geschmierten Butterbrots, denn Judith war eine junge Frau und Andreas war ein junger Mann. Und beide waren Jungfrau. Auch das verband sie. An einem denkwürdigen Abend verband sie das sogar so sehr, dass sie seitdem in einer Beziehung wandeln. In kurze Worte gefasst: Schulfeier, Wahrheit oder Pflicht. Beide noch nicht ertrunken in Wahrheiten und sich keiner Pflicht bewusst. Voller Neugier auf schlüpfrige Antworten und Zungenküsse gestürzt. Als Pflicht wurde Sex gefordert. Diese Pflicht schien ihnen spannend, deshalb verschwanden sie in der Mädchenumkleide und befleckten sich. Seit dem sind Ewigkeiten vergangen, in denen sie nun schon ein Paar sind. Ein schönes Paar, würden ihre gemeinsamen Freunde sagen, wenn man sie fragte. Eines dieser Paare, denen die gemeinsame Ewigkeit nichts macht, denen das Ewige gar nicht auffällt. Menschen, die nicht müde werden an der Zweisamkeit. […]

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