Foto: Dina Lucia Weiss
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29.11.2014
Es ist kurz vor vier. Ich winke Juri, hole meine Jacke an der Garderobe und sehe Siro auf einem der schäbigen Sofas neben dem Eingang sitzen, seine Augen sind halb geschlossen, flache Atmung. Ich richte ihn auf, streife ihm seine Jacke über und stütze ihn die Treppe zum Ausgang hinauf. Die überschminkte Frau legt ihren Kopf mitleidig zur Seite. Wie gern ich ihr auf den Fuss stehen würde, der aus dem Stöckelschuh quillt. Ich winke ein Taxi heran, schiebe Siro auf den Rücksitz, sein Kopf kippt auf meine Schulter. Der Taxifahrer hält vor seiner Wohnung und fragt mich, ob ich Hilfe brauche. Nein, keine Sorge. Die Wohnung riecht abgestanden. Siro entschuldigt sich und legt sich auf sein Bett. In der Küche spüle ich ein Glas und fülle es mit kaltem Wasser. Ausser einem Kühlschrank steht nichts in der Küche. Darin kleine Säckchen mit abgefülltem Pulver. Ich fragte mich, wie er hier über die Runden kommen soll. Ich setze mich neben ihn ins Bett, kauere mich an der Wand zusammen, ziehe meinen Pulli über die angezogenen Knie. Ich bin nicht müde, will ein Bild malen und gleichzeitig die Wohnung in Ordnung bringen. Siros Gesichtsausdruck ist müder als der eines Kindes, wie er so neben mir liegt. Mein Blick kreist über die gelbliche Tapete, an einzelnen Stellen löst sie sich bereits. Es wird hell, ich habe kein Auge zugemacht, dusche kalt, wecke Siro auf, nehme meine Tasche, küsse ihn auf die Wange und bitte ihn, heute was Richtiges zu essen. Die Decke bis unter die Augen gezogen, lächelt er mich an: „Du bist ein Engel, Paula“. Ob er wohl den blauen Engel auf dem grossen Bild von Chagall meint, der über einem Schiff voller tanzender, seltsam aussehender Menschen schwebte und Laute spielte?

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