Foto: Dina Lucia Weiss
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22.11.2014 Von Ausstellung bis Omegabar
(Foto: Aus "16 Weihnachtsgrüsse" von Johanna Müller. Zauberhafte Frau. Beeindruckende Künstlerin: www.johannamueller.net)


Alpha und Omega. Das A und O. Das Erste und das Letzte. Anfang und Ende. Das A und O ist das Mindeste, das du von einer Sache wissen musst, um sie vollständig zu verstehen.
Schnitt
Fotoausstellung: Die Menschen drängen sich vor und an den Bildern vorbei. Vernissagenhektik liegt in der Luft, die Mehrheit ist betrunken. Wir sind alle Experten. »Konkret und doch abstrakt« sagt ein Mann zu einer Frau, die sichtlich beeindruckt ist und dies mit Bambi-Blick goutiert. Neben einem Bild mit dem Titel »Ohne Titel 1« küsst sich ein Paar.
Ben und Julia haben zwei Flaschen Rotwein geklaut. Wir reichen uns die 1L-Flaschen rum. Der Blick auf das Etikett reicht, um Kopfschmerzen zu kriegen. Wir trinken. Wir tanzen. Wir sehen schön aus. Wir benehmen uns daneben. Ben grinst mich an, ich sei soweit. Ich würde schielen und mich bald ausziehen.
Es ist wie beim Pizzalieferdienst: Anrufen. Bestellung aufgeben. Ort und Zeit angeben. Dass es eilt, man sei hungrig, betonen. 30 Minuten später ist es da, das Taxi. 24 Stunden Lieferdienst. Wir müssen wach sein. Wir müssen jetzt wach sein.
Schnitt
Omegabar: Das Taxi haben wir mit fünf Euro zu wenig und einem Lächeln bezahlt. Das Taxi, das uns in den Kiez fährt.
Wir sind wach. Punktgenau und zielgerichtet. Wir trinken Bier und Schnaps. Morgen gehen wir alle geschlossen demonstrieren gegen die Erhöhung der Mietzinse. Wir trinken Bier und Schnaps. Das Taxi kommt noch einmal, 80 Euro für zwei Gramm. Freudschaftspreis.
Julia fängt mich auf der Toilette ab, wir küssen uns. Da ist Überforderung und Hingabe gleichermassen. Ben hat alles mitgeschnitten, als wir uns an den Tisch setzen. Schillerblick seinerseits. Ich schütte Domapin aus, das für die nächsten drei Tage reichen sollte. Jetzt schütte ich alles aus, jetzt muss alles passieren. Ich bin wach. Wir verlassen die Bar. Die Morgensonne blendet. Wir kaufen Bier an der Ecke.
Schnitt
Wohnung: Wir sitzen in Bens Wohnzimmer. Reden über die grossen Themen. Wir sind alle Experten. Ich stehe plötzlich auf und lege mich in Bens Bett. Erwache von Kussgeräuschen. Ben krault meinen Kopf. Julia legt sich auf mich. Es geht schnell, wir atmen tief. Ben liegt auf dem Rücken und verschränkt die Arme unter dem Kopf. Schillerblick. Ich mache mir ein Gewissen. Ein fremder Körper ist ein unschuldiger. Wenn man einen Körper kennt, wird es komisch in all der erbärmlichen Alltäglichkeit.
Schnitt
Veganer Supermarkt: Bei Tag hat alles eine andere Bedeutung als bei Nacht. »Gibt es jemanden bei dir, Paula?«, fragt Julia. »Ja, jemand, der regelmässig die Flucht ergreift« sage ich. Ich schaue Julia lange an. Traumverloren, liebessuchend, weiterfragend, abschiednehmend. Ich denke an Hamlet, wie er zu Ophelia sagte »Ein schöner Gedanke, zwischen den Beinen eines Mädchens zu liegen.«
Schnitt
Bett: So überzeugt wie in dem Moment, wo man zu sich selbst sagt, nie wieder zu koksen, ist man selten.
Das A und O ist das Mindeste, dass du von einer Sache wissen musst, um sie vollständig zu verstehen.

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