Foto: Dina Lucia Weiss
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1120

20.11.2014
Wir sitzen beim Asiaten. Ich erzähle Juri von Jan. Er verdreht die Augen und schaufelt die Frühlingsrollen in sich hinein, als hätte er für Tage nicht gegessen. »Wie oft haben wir schon über Jan gesprochen, Paula?« er bestellt ein frisches Bier, obwohl das erste noch zur Hälfte voll ist. »Er ist mir unsympatisch. Er ist ein narzistisches Arschloch und du fällst immer wieder auf seine angeblich grossen Gefühle rein.« Ich erzähle nicht, wie sich Jan um das dreckige Geschirr und den Müll gekümmert hat. »Paula, du kannst noch lange da stehen und schreien: Oh Augenblick, verweile doch, du bist so schön! Der schaut beim Sex nicht dich an, sondern in den Spiegel!«
Die Gäste an den anderen Tischen sind still geworden und hören Juri zu. Ich schäme mich für ihn. Er ist inzwischen angetrunken und hält beharrlich an seiner Meinung fest.
»Wie sind die Lehrer an der Schule, meinst du, ich verstehe mich mit denen?« versuche ich Juris hitziges Gemüt zu beruhigen. »Darum geht es jetzt nicht. Darüber sprechen wir morgen, ich will wissen, was du an diesem Jan findest, Paula!«
»Jetzt bin ich hier bei dir, Juri. Lass uns in eine Bar gehen.«
Auf dem Weg zu Juris Stammkneipe bin ich still. Ich dachte, Juri hätte es nicht nötig sich so aufzuführen. Er ist klug, zart, schön, oft befangen. Wenn er trinkt, gefallen mir unsere Unterhaltungen nicht.
Wir setzen uns an den Tresen, der Barkeeper ein Freund von Juri stellt uns einen Gin Tonic hin. Er kann auch nicht von der Musik leben, lieblos spült er Gläser. Juri streicht mir über den Rücken und sagt reumütig, dass ich mich erst einmal in der Stadt und der Schule einleben soll, bevor ich meine Energie an die Wohnungssuche verschwende. Ich bin erleichtert. »Du darfst selbstverständlich auch in meinem Bett schlafen« grinst er mich an. Ich fahre Juri durch sein struppiges Haar, bemerke die angegrauten Schläfen und küsse ihn auf die Stirn. Wie ich ihn ansehe, werde ich wehmütig beim Gedanken daran, dass ich einmal sehr verliebt in ihn war. Als ich Juri nach Ellas dreissigstem Geburtstag in der Hofeinfahrt küsste, lachte er und sagte, als wir Forever sangen auf der Party, meinte er das Lied und nicht das Leben.
Dann war es Juri, der sich verliebte. Vielleicht ging es dabei um eine Sache zwischen Männern und weniger um mich, dass Juri sich offenbarte, nachdem ich wieder einmal von Jan schwärmte.
Plötzlich zog er aus der Stadt weg. Es hätte nichts mit mir zu tun. Sein Unterton verriet mir das Gegenteil. Wir hielten die Wunde über Wochen am Bluten. Schrieben uns, wie wir uns gegenseitig fehlen. Nachts riefen wir uns an, waren sicher, dass wir zusammengehören. Morgens waren wir ernüchtert, versuchten uns unbeholfen vor uns selbst zu schützen. Wir wünschten uns beide, dass nahtlos etwas Neues begann.
Juri ging auf die Avancen einer Kollegin an der Schule ein, liess sich zum Ersatzpapa in ihren Alltag als alleinerziehende Mutter einspannen, ich traf mich mit verschiedenen Männern, die ich im Internet kennen lernte, rauchte bis tief in die Nacht hinein. Es ging zu Ende. Erschreckend still.

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