Foto: Dina Lucia Weiss
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17.11.2014
Ich erwache vor Jan, setze Kaffee auf und gehe ins Bad. Er wird das Plätschern durch den Flur hören, aufstehen, zum Bad kommen und die Tür einen Spalt öffnen. Er wird durch das Milchglas der Duschkabine meinen Körper sehen, den in den Nacken gelegeten Kopf, mein nasses Haar. Er wird sich überlegen, zu mir unter die Dusche zu kommen und dann doch die Tür wieder zuziehen, sich mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette an den Tisch setzen.
In ein Handtuch eingewickelt komme ich in die Küche. Jan kümmert sich um das dreckige Geschirr von gestern Abend, schnürt den Müllbeutel zu und stellt ihn neben die Wohnungstür. Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich beeindruckt bin, wie er sich um meinen Haushalt kümmert.
Wir sitzen am Küchentisch, trinken Kaffee und rauchen. Schweigen. Ein Zeichen für geglückte Nähe. »Wusstest Du, dass sich Regenwürmer nicht bewegen, wenn sie sich paaren, sie verschmelzen zu einem einzigen Wurm« sage ich in die Stille hinein. Jan lacht. Ich gehe in mein Zimmer.
»Paula, bin ich eine Beziehungsruine für Dich?« Jan steht angelehnt in den Türrahmen und sieht mir dabei zu, wie ich mit wenigen Handgriffen die letzten Sachen in den Koffer lege. »Was hat das mit Regenwürmern zu tun?« lache ich, nehme einige Bücher aus dem Koffer, die ich nicht brauchen werde. Dabei fällt ein Foto von Juri und mir auf den Boden, das ich als Buchzeichen brauche. Jan ist schneller als ich, hält es in der Hand und fragt wer er sei, der mich am Hals küsse und in die Kamera lache. Verliebt würden wir aussehen. Ich geniesse den Augenblick seiner Eifersucht.
»Mein bester Freund Juri« antworte ich beiläufig. »Bester« ist relativ. Aber Jan kann sich denken, dass Juri nicht mein Geliebter ist. »Seid ihr da ein Paar gewesen?« er sagt oft das, was mir in den Sinn kommen würde, als Reaktion auf meine Bemerkungen. Ich lache und nehme ihm das Foto aus der Hand, lege es auf den Nachttisch und schliesse meinen Koffer.

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