Foto: Dina Lucia Weiss
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Die Winkekatzen von Hiroshima - 30

Foto: Izras
Foto: Izras

Nachdem die Yakuza mitbekommen hatte, dass amerikanische Soldaten und Polizisten Häuser und Läden mieden, in denen sichtbar eine weiße oder schwarze Winkekatze stand, machte sie sich dies zu Nutze. Thronte plötzlich im Fenster eine schwarze Winkekatze, war dies für die Besitzer ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Mafia ihnen noch eine letzte Chance eingeräumt hatte, Schutzgeld zu bezahlen, bevor sie zur Ultima Ratio griff. Eine weiße Winkekatze hingegen bedeutete, dass die Geduld der Mafia zu Ende und die Hinrichtung vollzogen worden war, als Zeichen und Mahnung für die anderen Ladenbesitzer.

 

Amerikanische Soldaten, die aus Japan in die USA zurückkehrten, brachten ihren Familien und Freunden Winkekatzen als Souvenir mit, aber natürlich nicht die schwarzen oder weißen, da sie diese aufgrund ihrer Erfahrung in Japan mit Tod und Trauer verbanden. Hauptsächlich waren goldene und silberne Winkekatzen die Mitbringsel. Eine ganze Generation junger Amerikaner wuchs wie selbstverständlich mit ihnen auf. Um den gesteigerten Bedarf an Winkekatzen zu erfüllen, was die traditionell manuelle Produktion an hochwertigen Winkekatzen in Japan nicht leisten konnte, tat eine in den USA begonnene Massenproduktion, was eine Massenproduktion eben tun muss, damit sie eine Massenproduktion ist: Sie machten aus einem Kulturgut einen Konsumartikel. Hatten die importierten japanischen Winkekatzen noch in privaten Kinderzimmern gestanden, fanden sie nun ihren Weg in den öffentlichen Raum. Kein japanisches Lokal in den USA konnte es sich leisten, Gäste noch ohne Winkekatzen zu begrüßen. Es begann wie immer in Kalifornien, zog sich dann über das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten bis hin an die Ostküste, von wo aus die Maneki Neko per Containerschiff ihre ersten Pfoten Richtung Europa ausstreckte.

 

Amerikanische Zeitungen berichteten übrigens bis in die 70er-Jahre hinein amüsiert darüber, dass Besucher aus Japan, die zum ersten Mal in einem japanischen Restaurant in den USA aßen und eine schwarze oder weiße Winkekatze sahen, entweder dem Besitzer des Restaurants ihr Beileid aussprachen oder ihre Sachen packten und das Restaurant fluchtartig verließen. Sie dachten wohl, das Restaurant gehöre der Mafia und sie würden schlimmstenfalls Zeugen oder gar versehentlich Opfer einer Schutzgeldhinrichtung. Darum ist es bis heute noch eine ungeschriebene Regel, dass in dortigen Restaurants ausschließlich goldene und silberne Winkekatzen zu stehen haben.

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