Foto: Dina Lucia Weiss
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11 - Strafvollzugsanstalt

Als ich vor einer knappen Woche hier ankam, dachte ich erst, das sei ein Kloster. Der vordere, der 175 Jahre alte Teil war mal ein Kloster, in das zumindest einige der Redemptoristinnen freiwillig eingetreten sind. Unfreiwillig haben sie es verlassen, wurden daraus vertrieben, als die Strafanstalt Stein gegründet wurde.

 

Wenn ich aus der Tür der ehemaligen Teppichfabrik trete, in deren oberstem Stock sich die Artist-in-Residence-Ateliers befinden, stehe ich vor Österreichs grösster Strafvollzugsanstalt. Wäre ich nicht Schriftstellerin, wäre ich beispielsweise Architektin oder Musikerin, dann würde ich nicht auf die Donau schauen, wenn ich morgens aufwache, sondern direkt in die grösste Strafvollzugsanstalt Österreichs.

 

Zwischen mir und der Bar 33 liegt das Gefängnis, zwischen mir und dem Café, wo es zum Frühstück den zweiten Kaffee gratis dazu gibt, liegt das Gefängnis. Zwischen mir und dem Weinberg, mir und dem Kino, mir und dem Museum liegt das Gefängnis.

 

Auf dem Weg, der zum Café führt, läuft eine Eidechse vor mir her, gross und grün, nicht klein und braun wie die Echsen, die ich aus Zürich kenne. Eine Smaragdeidechse läuft vor mir her, läuft mir nervös davon, der Gefängnismauer entlang. Sie sucht nach einem Ort, um sich zu verstecken, sie sucht nach einem Loch am Boden, einer Ritze in der Gefängnismauer, aber da ist nur Beton oder Asphalt, letzterer an manchen Stellen von Kippen und Taubenkot bedeckt. Nach zwanzig, dreissig Metern macht sie plötzlich Halt und lässt mich vorbeigehen, wartet einfach, bis ich vorbeigegangen bin, ein ganzes Stück voraus bin, dann setzt sie ihren Weg entlang der Gefängnismauer langsam und gleichmässig fort. Ich mache das auch so, wenn jemand nah hinter mir geht, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand mir hinterhergeht. 

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