Foto: Dina Lucia Weiss
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02 - Radikale Deeskalation

Radikale Deeskalation

Sechseläuten, so heisst das Zürcher Frühlingsfest der Zünfte, erst gibt es einen Umzug, zum Abschluss umkreisen Reiter den Scheiterhaufen, auf dem der Böögg steht, ein Schneemann mit integriertem Sprengsatz. Jedes Jahr warten Zürcher_innen und Tourist_innen am Sechseläutenplatz, wartet die Schweiz am Fernsehen und Online-Ticker, dass es chlöpft. Dass der Böögg explodiert. Je früher desto besser – für den Sommer! (eine Wettervorhersage, die erstaunlich oft stimmt.)
1. Mai, so heisst der „Kampftag der Arbeiterbewegung“ auch in Zürich, erst gibt es einen Umzug (diesmal mit 14.000 Teilnehmer_innen), zum Abschluss kreist die Polizei das Langstrassenquartier ein, wo sich am Helvetiaplatz der Schwarze Block für die Nachdemo bereit macht. Jedes Jahr wartet Zürich, warten die Medien, die Schaulustigen, wartet die Schweiz am Fernsehen und Online-Ticker, dass es chlöpft. Dass Scheiben klirren, Farbbeutel und Steine fliegen. Je mehr, desto besser – für die Erzählung vom brisanten 1. Mai in Zürich.
Der Zürcher Stadtrat Richard Wolff von der Alternativen Liste, (auch gern mal in der Presse als radikale Linke bezeichnet) hat gestern seinen ersten 1. Mai als Polizeivorsteher erlebt. Er, der den 1. Mai  als „sein Sechseläuten“ bezeichnet und vom Schwarzen Block als «interessante Ergänzung» gesprochen hat, die zur «Vielfalt und Buntheit der Meinungen» beitrage, hat im Vorfeld erklärt, dass eine Nachdemo nicht toleriert werde.
Gestern Morgen hab ich mir für den AL-Stadtrat, den ich gewählt hätte, wenn ich schon könnte, gewünscht, dass es einen friedlichen 1. Mai geben wird. Dass kein Gummischrot, kein Wasserwerfer, kein Tränengas zum Einsatz kommt, dass es weder Verletzungen noch Verhaftungen gibt. Warum? Weil ich nicht wollte, dass „seine Polizei“ auf „seinen Schwarzen Block“ losgeht? Weil ich sowieso gegen Gewalt bin, von allen Seiten?
Ich weiss es nicht, aber mein Wunsch hat sich erfüllt. Es war ruhig (wie schon in den ganzen letzten Jahren, aber die Erzählung vom brisanten Zürcher Maifeiertag hält sich offenbar auch bei mir). Alle sind zufrieden. Die Stadt. Die Polizei. Die Presse. Einzig die NZZ bedauert den „grossen personellen Aufwand, den die Polizei leisten muss, um Ruhe und Ordnung aufrechtzuerhalten“.
Und der Aufwand war in der Tat enorm, massives Polizeiaufgebot am Sechseläutenplatz und im Langstrassenquartier, ein Hubschrauber kreiste über der Stadt, die gut 200 radikal Linken, die dem Aufruf des Revolutionären Bündnis zur unbewilligten antikapitalistischen Nachdemo gefolgt waren, wurden auf dem Helvetiaplatz eingekesselt, zogen sich zurück. „Zahm“, „frustriert“, „resigniert“ heisst es über sie in der NZZ, nachdem es nicht zu Ausschreitungen  gekommen ist. „Friedlich“ könnte man auch sagen.
Aber der „Schwarze Block“ bekommt selten eine gute Presse. Da gehört das Zitat des AL-Polizeivorstehers schon zum positivsten, was ich bis jetzt gelesen habe.

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